„Der Gott der Winde ist nicht aufzuhalten“

Unter obiger Überschrift mit dem Zusatz: „Eine Rakete hat den europäischen Satelliten ‚Aeolus’ ins Weltall gebracht. Er könnte die Wettervorhersagen deutlich verbessern“, berichtete Sebastian Eder in der F.A.Z. vom 24. August 2018 über den Start der Vega-Rakete.

In der FAZ.Net vom 23. August 2018 – Das donnernde Ungeheuer aus dem Regenwald heißt es: „Auf den Namen des griechischen Gottes der Winde „Aeolus“ war die fünfte Erdbeobachtungs-Mission der Europäischen Weltraumagentur Esa getauft worden, weil mit ihr zum ersten Mal Windprofile von der ganzen Erde erstellt werden sollen, um die Wettervorhersagen zu verbessern.“

Zahlreiche Zeitungen äußern sich zum Thema sinngemäß mit der Aussage: „Der Gott der Winde ist in einer Höhe von 320 Kilometern unterwegs.“ Ist das vielleicht die Antwort auf die Frage eines Kindes: „Wo ist der Wind, wenn er nicht weht?“?

Der Wind ist das Unformbare, das, was sich dem Zugriff des Men­schen entzieht und ihn seinem Schicksal überantwortet. „Schicksal des Men­schen. Wie gleichst du dem Wind.“ (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832) Der Wind bringt Veränderung. Nicht selten glauben die Menschen, sie bestimmten alle Ge­schicke, und vergessen dabei völlig die Urgewalten der Natur, wie zum Beispiel den Wind.

In gleicher Weise, wie sich nach physikalischen Gesetzen die Wasserkraft ständig erneuert, ist auch der Wind eine unerschöpfliche Energiequelle, die letztlich in der Sonne ihren Ursprung hat. Die von der Sonne bestrahlte Erdoberfläche wirkt wie eine riesige, aus heterogenen Stoffen bestehende Heizplatte, die die auf ihr ruhende Luft erwärmt und in Bewe­gung bringt. Die Bodenwinde verlaufen in Stärke und Richtung anders als die Höhenwinde. Erstere erheben sich in den Mor­gen­stunden mit beginnender Sonnenwärme und legen sich wie­der gegen Abend.

Der Wind zeichnet sich, anders als alle anderen Elemente, durch seine Unsichtbarkeit aus. Was wir sehen und hören, ist stets nur seine Wirkung: wehende Gräser, flatternde Fahnen, aber auch umgestürzte Bäume. Trotz seiner Allgegenwart entzieht er sich unserem vollständigen Verständnis. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht.“ (Joh 3,8)

Es ist nicht verwunderlich, daß die Frage nach Gestalt und Wesen des Windes die Menschen von jeher beschäftigt; denn es handelt sich um etwas, was sich den Blicken verbirgt, aber zugleich große Macht hat. Auf Grund seiner Unfaßbarkeit hielten die Menschen ihn in alten Zeiten für einen Gott. Elija erfährt Gott „im sanften, leisen Säuseln“ (vgl. 1 Kö 19,12).

Gott drängt sich nicht auf, doch sein Heiliger Geist weht überall.

Ob wir ihn heute spüren?