Heiliger Kelch von Valencia

 

Heiliger Gral von O Cebreiro

20.2.2020

Der heilige Gral

Es gab Zeiten, da verstanden sich die Menschen als Su­cher. Die Ritter gingen auf die „Quest“ (lat. quaerere = su­chen), ihr Vorbild war Parzifal auf der Suche nach dem heiligen Gral. In der Gralssage ist Parzival ausersehen, das zu weit auseinandergerissene Gegensatzpaar von Gut und Bö­se mit Hilfe des Heiligen Geistes und des Grals wiederzu­ver­einigen.

Im Mittelpunkt der Gralssage steht die heilige Schale, ein Kelch. Dieser kann auch ein Bild für unser Leben sein: Wir sollen offene Gefäße werden. An uns liegt es, wie groß das Gefäß werden kann: so wie ein Fingerhut, ein Schnapsglas, eine Puddingschüssel, ein Eimer oder ein Regenfaß? Am Ende unseres Lebens kommt Gott und erfüllt uns mit der Fülle seiner Gnade. Jedes Gefäß, das kleinste und das größte, wird von sich sagen: „Ich bin voll der Gnade.“

„Wie Parzival will ich sein“ schrieb Karl Leisner (1915-1945) in sein Tagebuch.

Siehe Aktuelles vom 20. März 2015: „Karl Leisner und Parzival“.

Der Gralskelch von O Cebreiro

 

 

Der in dem Dorf O Cebreiro in der spanischen Provinz Galizien in der Kirche Santa María la Real verehrte Gralskelch verdankt seine Bedeutung dem sogenannten Hostienwunder. Laut Legende stieg zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein frommer Bauer, der jeden Tag die heilige Messe besuchte, bei einem starken Schneesturm aus dem Tal zur Kirche hinauf und traf dort erst kurz vor der Wandlung ein. Der nicht sehr gläubige, zweifelnde Zelebrant nannte ihn insgeheim sogar einen Narren und mißachtete die Anstrengungen und Strapazen des einzigen Gottesdienstbesuchers, die dieser „nur um Brot und Wein zu sehen“ auf sich genommen hatte. Als sich aber während der Wandlung Brot und Wein wahrhaftig in Fleisch und Blut Jesu Christi verwandelten, wandelte sich der ungläubige Priester zu einem tiefgläubigen Menschen.

 

Cebreiro

 

„Heiliger Kelch“ von Valencia

Kathedrale von Valencia

L’OSSERVATORE ROMANO von 2006

»Ebenso nahm er nach dem Mahl diesen erhabenen Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände ... «:Als der Nachfolger Petri in Valencia diese Wandlungsworte sprach, hielt er den Kelch in die Höhe, der als Kelch des Letzten Abendmahls verehrt und »Santo Cáliz«, »Heiliger Kelch«, genannt wird. Zuletzt war dieser Kelch von Papst Johannes Paul II. benutzt worden, als er am 8. November 1982 in Valencia 141 junge Männer zu Priestern weihte.

Der Kelch wird normalerweise in einer Kapelle der Kathedrale aufbewahrt; dort hatte Papst Benedikt XVI. am Vortag die Reliquie verehrt. Nach der Überlieferung war die Reliquie vom Apostel Petrus nach Rom mitgenommen und dort von allen Päpsten bis zum hl. Sixtus II. (257-258) verwahrt worden. Sein Diakon, der hl. Laurentius, brachte sie in der Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Valerian nach Huesca in sein Heimatland Spanien. Während der muslimischen Besetzung wurde der Kelch in den Pyrenäen verborgen; er gelangte danach wieder nach Huesca.

1399 wurde die Reliquie dem König von Aragon überlassen, der sie zunächst in Saragossa, dann in Barcelona und schließlich in Valencia aufbewahrte, wo ihre Anwesenheit 1437 in der Kathedrale belegt ist. Bis zum 18. Jahrhundert wurde der Kelch zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien benutzt. Um ihn vor den Truppen Napoleons zu schützen, wurde er in verschiedene Städte ausgelagert, ehe er 1916 schließlich seinen Platz in dem alten Kapitelsaal fand, der jetzt als Kapelle für den »Heiligen Kelch« dient. Während des Bürgerkriegs wurde er auswärts versteckt.

Die eigentliche Reliquie ist der obere Teil des »Heiligen Kelchs«: eine alexandrinische Achatschale, zwischen 100 und 50 vor Christus gefertigt. Im reflektierenden Licht zeigt sie sich in warmen Farben. Im Mittelalter wurde die Achatschale um weitere Teile ergänzt – um eine als Fuß gearbeitete Schale aus Onyx und ein zweihenkliges Mittelstück aus ziseliertem Gold. Kreuzförmig angeordnete Goldbügel halten die mit Perlen, Rubinen und Smaragden besetzte Onyxschale.