26.10.2021

Der Herbst ist die Zeit des Erntens

„Die Nibelungen“
Ein deutscher Stummfilm
Roman
Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2021
256 S., 22,00 €

Die Rezension von Tilmann Spreckelsen in der F.A.Z. vom 16. September 2021 unter der Überschrift „Quecksilber schlägt Gold“ und den einleitenden Zeilen „Als die Schätze in die Welt zogen: Felicitas Hoppe macht in „Die Nibelungen“ aus einem alten Stoff mit größter Raffinesse ein reines literarisches Vergnügen“ war der Auslöser für meinen folgenden Beitrag.

Link zum Artikel unter Rezensionen auf bücher.de

In meiner Verbindung zu Kleve mit dem Schwanenritter Lohengrin und zu meiner ersten Kaplansstelle in Xanten mit dem Nibelungenhelden Siegfried, beide sind mir wichtige Männer, schaue ich zurück auf Erlebnisse aus vergangenen Zeiten. Dabei beziehe ich auch Karl Leisner mit ein, der genau wie ich in Kleve geboren wurde und dessen Grab sich in Xanten befindet.

Die Schwanenburg mit dem Schwan auf der Turmspitze ist nicht nur das Wahrzeichen Kleves, sondern war auch meine letzte Arbeitsstelle als Maurerlehrling. Ich habe dort an den Pfeilern gearbeitet.

Karl Leisner und die Schwanenburg in Kleve

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An meiner ersten Kaplansstelle in Xanten traf ich auf den Nibelungenhelden Siegfried. Man nimmt an, er sei dort geboren.

Siegfried
legendärer Drachentöter und eine der Hauptfiguren des Nibelungenliedes

Szene aus dem Xantener Domspiel „Die Ritterweihe Siegfrieds“

Von mir verfaßte und auf Neusehland übernommene Einträge zu „Karl Leisner und die Nibelungen“ von der Karl Leisner-Homepage

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In Xanten wird neben Siegfried auch Viktor verehrt.

In seiner Predigt am 6. September 1936 ging Bischof Clemens August Graf von Galen auf die Thematik Viktor und Siegfried ein:
„Victor“ heißt auf deutsch „Sieger“. Als Held, als Sieger wurde St. Victor hier verehrt, lange ehe die deutsche Sage ihrer schönsten Helden­gestalt, dem edlen Siegfried, Xanten als Hei­mat gab. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die dichtende Sage gerade darum Xanten zur Heimat Siegfrieds gemacht hat, weil alle deut­schen Gaue davon wußten, daß in Xanten tat­sächlich einst ein Held, ein Sieger gelebt hat, und weil damals schon Jahrhunderte lang St. Victor, der sieghafte Held in Xanten, die höch­ste Verehrung genoß.[1]
[1] Löffler, Peter: Bischof Clemens August Graf von Galen, Akten, Briefe und Predigten 1933–1946. 2 Bde., Pader­born 21996: Bd. I, S. 439f.

Gegen die Siegfriedsage stellte der Bischof die Grabfunde im Dom als wissenschaftlich bewiese­nes, christliches Martyrertum.

Dr. Michael Knieriem vom Stadtarchiv Xanten am 21. Juni 2012 an Hans-Karl Seeger:
Erst nachdem das Nibelungen-Lied (um 1780 durch Jakob Hermann Obereit [1725–1798]) entdeckt worden war und sein Wert als Zeug­nis der aufscheinenden deutschen Natio­nal­lite­ratur erkannt wurde und in einer Über­tragung von Karl Simrock [1802–1876] popularisiert wurde, begann die Stadt Xanten selbst sich der Wer­bewirk­samkeit Siegfrieds zu Be­ginn des 20. Jahrhunderts und dann vollends im Dritten Reich bewusst zu werden. Aber bereits im 19. Jahrhundert gab es Ver­suche, auf Siegfrieds Heimat hinzuweisen. (Vgl. den Aufsatz von Friedrich Engels: Sieg­frieds Hei­mat (Hamburg 1840), wobei nicht uninter­essant ist, dass Engels als Erster vom St. Viktors Dom in der Literatur spricht).

Spuren der Siegfriedsage finden sich in Xanten noch in den Namen von Straßen und Gebäuden:

  1. Siegfriedmuseum (ehemals Nibelungen(h)ort), Kurfürstenstraße 9
  2. Kriemhildmühle
  3. Nibelungenrelief in der Nähe der Kriemhild­mühle
  4. mehrere Straßenbenennungen (Siegfriedstraße, Kriemhildstraße, Guntherstraße, Brunhild­straße)
  5. Siegfriedbrunnen auf dem Marktplatz
  6. Steinskulptur „Nibelungentor“ auf dem Nibe­lungen­platz (Kreisverkehr in der Nähe des Ein­gangs zum Archäologischen Park)
  7. Hotel Nibelungenhof, Niederstraße 1
  8. ehem. Nibelungenbad der Freizeitzentrum Xanten GmbH in Xanten-Wardt

Laut Auskunft von Dr. Michael Knieriem und Klaus Haan vom Stadtarchiv Xanten stammen alle genannten Straßenbezeichnungen und Ge­bäude­­namen aus dem 20. Jahrhundert. Es gibt weder archäologische noch archivalische Über­reste, Spuren oder Belege bezüglich der Existenz eines historischen Siegfrieds. Alle Namen sind Se­kun­därbildungen, die an ein Ereignis bezie­hungs­weise an Personen erinnern. Lange Zeit geisterte auch der Irrtum durch die Literatur, das Relief des St. Vik­tor vor dem Dom stelle Sieg­fried dar.[1]
[1] Seeger, Hans-Karl: Karl Leisner und der Xantener Dom, Rees 2012, S. 17 – 26

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Die Nibelungen Teil 1 Siegfried 1966

Die Nibelungen Teil 2 Kriemhilds Rache 1967