6.8.2019

Die Blinden und der Elefant

Eine Geschichte erzählt:

In eine Stadt kam ein Zirkus und mit ihm auch ein Ele­fant. Eine Gruppe aus einem Blindenheim besuchte den Zirkus. Dabei wurden sie auch an den Elefanten geführt, und jeder durfte ihn berühren. Einer erwischte dabei den Rüssel, ein anderer ein Bein, ein dritter den Leib, wieder ein anderer das Ohr und einer erfaßte den Schwanz.

Als sie wieder nach Hause kamen, fragten die Daheimgebliebe­nen, was sie erlebt hätten, und sie sagten: „Wir wissen jetzt, wie ein Elefant aussieht.“ „Wie denn?“, fragten die anderen. „Wie ein Schlauch“, sagte der, der den Rüs­sel berührt hatte. „Wie ein Baum“, schilderte der, der das Bein erfaßt hatte. „Wie ein großer Kes­sel“, erklärte der, der seine Hände an den Leib gelegt hatte. „Wie ein großer und fester Lappen“, meinte der, der an das Ohr ge­kommen war. „Wie eine dicke Kordel“, beschrieb schließlich der, der den Schwanz erwischt hatte.

Die Zuhörer waren verwundert und frag­ten: „Wie sieht denn nun ein Ele­fant aus? Jeder von euch sagt et­was anderes.“ Nun stritten die Blinden über die Wirklichkeit. Jeder hatte etwas Richtiges beschrieben, aber keiner hatte die ganze Wirklichkeit erfahren.

Aber auch Sehende äußern: „Ich sehe rich­tig, und du siehst falsch.“ Das wird deutlich an folgender klei­nen Begebenheit:

Zwei Menschen telefonierten miteinander. Der eine sagte: „Es ist ein schöner Tag.“ Der andere entgeg­nete: „Wieso, es ist doch Nacht.“ Ein Dritter hörte den bei­den zu und überlegte, wer denn nun recht habe. Der eine telefonierte vom Nordpol, der andere vom Südpol.