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Ulla Hahn

Ernst Moritz Arndt

22.10.2020

Die Dichter und das Herz

Es gibt kaum ein Wort, das die Menschen in unseren Breiten so häufig und in so vielen Verbindungen gebrauchen wie das Wort „Herz“.

Vermutlich hat sich die Literatur mehr um das Herz gekümmert als die Medizin.

Ernst Moritz Arndt (1769-1860):
Deutsches Herz, verzage nicht,
tu, was dein Gewissen spricht,
dieser Strahl des Himmelslichts,
tue recht und fürchte nichts.
(aus der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleons Frankreich)

Phil Bosmans (1922-2012):

„Liebe ist das größte Abenteuer des menschlichen Herzens. Sie verändert alles, dein Denken und dein Tun, dein Fühlen und dein Sprechen.“

Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944):
„Man sieht nur mit dem Her­zen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

„Wir müßten ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand“, formuliert Rainer Maria Rilke (1875-1926) in seiner Erzählung „Die Rose“.

 

 

Das Herz ist gleichsam das Sammelbecken aller sinnlichen Triebe und aller irdischen Bestrebungen. Bei keinem der großen Dichter spielte es eine so wichtige Rolle wie bei Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), so sagt zum Beispiel Faust in „Der Tragödie erster Teil“ zu Wagner:
„Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen,
Wenn es euch nicht von Herzen geht.“

Im Ginkgoblatt sah Johann Wolfgang von Goethe ein Herz und schrieb dazu ein Gedicht für seine späte Liebe Marianne von Willemer (1784-1860):

Ginkgo Biloba

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin?

 

Friedrich von Schiller (1759-1805) spielte das Herz gegen den Verstand aus. In seinem Drama „Wallenstein“ entgegnet Max Piccolomini seinem Vater: „Dein Urteil kann sich irren, nicht mein Herz.“

Auch die Dichter unserer Tage verwenden die Herzsymbolik, das uralte Zeichen der Liebe. Sei es Ulla Hahn (* 1946) in ihrem Gedichtband „Herz über Kopf“, sei es die mit einem politischen Bekenntnis verbundene Autobiographie von Leonhard Frank (1882-1961) „Links, wo das Herz ist“.