5.1.2022

Die Seele auf Erden

Universelle Herkunft und körperliche Vergänglichkeit

Beschäftigen wir uns genügend mit den Gegebenheiten unseres Lebens auf dieser Erde? Alles, was lebt, wächst und gedeiht, stammt aus einem universellen Zuhause. Wir erinnern uns nicht daran, selbst die ersten Jahre unseres Lebens auf dieser Erde sind uns nicht mehr bewußt.

Was ist der Mensch? Ein bekleideter Engel (Leendert F.C. Mees 1902-1990) oder ein nackter Affe (Desmond Morris *1928)? Zwischen Engeln und Tieren leben wir unser Leben.

Des Lebens Anfang ist für alle Menschen gleich. Alles ist darin enthalten, was wir im Laufe unseres Lebens entwickeln. Wann aber erkennen wir die Aufgabe unseres Lebens?

Eine Seelengeschichte nach einer unbekannten Quelle:

Im Universum entstand eine kleine Seele, die spürte, daß das Universum etwas von ihr wollte. „Es ist an der Zeit“, sagte das Universum zu ihr, „heute ist der Tag und die Stunde für dich gekommen, zu inkarnieren und das Leben kennenzulernen.“
Für die kleine Seele war das völlig unverständlich. Warum sollte sie für ein Leben einen Körper nötig haben? „Ich schenke dir einen Körper und ein Leben voller Erfahrung“, sagte das Universum, „du kannst etwas werden.“
„Ich bin doch schon etwas, ich bin eine kleine Seele“, entgegnete sie. Wer mag schon erfassen, was alles in ihm steckt und ihm geschieht?
Die kleine Seele war bereit, auf die Erde zu gehen, aber sie inkarnierte in einen Virus. So legte sie sich einen Schutzkranz zu, eine Corona, die sie so resistent machte, wie noch kein Virus vor ihr es jemals war, seit es Leben gab. Ob sie sich damit letztlich wohlfühlen würde, konnte die kleine Seele weder wissen noch ahnen. Ihr inbrünstiger Wunsch war, die Menschen aufzuwecken und sie wachzurütteln, die wesentlichen Schätze ihres Daseins wiederzuerkennen und wahrzunehmen. Bei manchen Menschen gelang ihr das. Diese dachten über ihr bisheriges Leben nach und staunten, was sie alles verpaßt hatten.

Diese uralte Geschichte unterstützt meinen Eindruck, daß manche Menschen mehr Angst vor dem Leben haben als vor dem Sterben. Ich formuliere das gerne so: „Manche Menschen sterben mit 17 Jahren und werden mit 70 Jahren beerdigt.“ Dazwischen befindet sich ungelebtes Leben.

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Der Ursprung der Trennung zwischen Leib und Seele geht auf den griechischen Philosophen Pythagoras (570-510 v. Chr. G.) zurück. Er ist der Meinung, die Seele habe ein Leben vor und nach dem Tod. Platon (428-348 v. Chr. G.) sprach von einer tugendhaften und guten Seele. In der Neuzeit griff der Philosoph René Descartes (1596-1650) das Paradigma einer Trennung von Leib und Seele auf und stellte fest, es handele sich um zwei prinzipiell verschiedenartige Substanzen. Der Leib bestehe aus einer materiellen-körperlichen, teilbaren Substanz, die Seele hingegen aus einer immateriellen geistigen, unteilbaren. Gott habe beide Substanzen im menschlichen Körper zusammengefügt.

Über Augustinus (354-430) gelangte der Begriff „Seele“ zu Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Friedrich von Schiller (1759-1805). Für Johann Wolfgang von Goethe ist die schöne Seele diejenige, welche aus sich heraus das Gute will und auch tut. Friedrich von Schiller betonte mit dem Ideal der schönen Seele die Bedeutung des menschlichen Gefühlslebens.

Siehe auch Wo bleibt die Seele nach dem Sterben?