Die Weisheit des Leibes

Wir haben verlernt, daß unser Leib durch Berührungen Ort und Mittler von Vertrauen wird, von Gespür füreinander, von Heilung und Trost und daß körperliche Gewandtheit und Kraft Sicherheit geben, daher sollte unser Leib nicht nur bei Themen wie Arbeitskraft, Sexualität und Krankheit Beachtung finden. Ebenso ist es traurig, wenn alles Leibli­che sich vor allem durch Nichtfunktionieren in Erinnerung ruft.

Unsere Zeit bedarf einer Philosophie des Leibes. Es käme darauf an, wieder die Weisheit des Leibes zu verneh­men. Solche Philosophen des Leibes waren der Arzt Theo­phrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493-1541), und der Sinnenforscher Hugo Kükelhaus (1900-1984), der mit seinem Erfahrungsfeld über die Ent­faltung der Sinne als deren Wiederentdecker gilt. Dieses Erfahrungsfeld ist inzwischen an zahlreichen Orten zu erleben.

Die Heilige Schrift zeigt uns, wie Jesus den Menschen sah. In Jesus ist Gott Mensch geworden, in ihm geht Gott unter die Haut. Jesus erweckt den kranken Menschen zu neuen Sinnesqualitäten, damit er, wieder ganz und gar Mensch, Ja sagen kann zu Gott. Wenn Jesus den Menschen heilt, heilt er nicht nur dessen Seele, sondern auch die Sinne: Er läßt ihn wieder sehen, hören, sprechen und gehen. Er macht die Haut rein und stillt den Hunger. Heilung bedeutet Wachheit in allen Sinnen.

Die Ganzheit unseres leib-geist-seelischen Ichs ist begrenzt durch die Haut, die jedoch nicht nur Abgren­zung und Trennung ist, sondern auch dem Prozeß der Durchlässigkeit dient. Außerdem ist sie sowohl Schutz- als auch Kontaktorgan. So gibt es die Durchlässigkeit und die Brücken von innen nach außen und von außen nach innen. Der Mensch als Einheit hat die Fähigkeit, die Be­grenzung seiner Existenz zu überwinden.

Die Eingrenzung durch die Haut bedeutet für uns Menschen einen Mangel. Wir können nur zur Vollendung finden, wenn wir von uns selbst aufbrechen und uns dem anderen zuwenden. Das ist we­niger ein geistiger Vorgang als ein Vorgang der Sinne. Größtmögliche Wachheit in allen Sinnen führt zu einer leibgeistigen Er­fahrung von Freiheit, und so können wir den Mangel, der in unserer Begrenzung liegt, überwinden.

Wie gehe ich mit meinem Leib um?