Die Zeit des wachsenden Lichtes

Auch als es in Münster noch keinen Weihnachtsmarkt gab, kamen im Advent viele Menschen in die Stadt, weil sich dort der Adventsschmuck damals wie heute von dem vieler anderer Städte unterscheidet: Echte Adventskränze hängen vor den Geschäften und Gebäuden der Innenstadt. Der Adventskranz gehört ursprünglich zu den evangelischen Bräuchen der Vorweihnachtszeit. Mit seinen vier Kerzen, von denen zu jedem der vier Adventssonntage eine mehr entzündet wird, ist er ein Ausdruck des wachsenden Lichtes bis in der Weihnachtsnacht aus dem tiefsten Dunkel heraus das Licht der Welt geboren wird.

Johannes, der Zeuge des Lichtes (vgl. Joh 1,7f), wird zur Sommersonnenwende, der Zeit des höchsten Sonnenstandes, geboren. Für die Zeit danach sagt er: „Er [der Messias] muß wachsen, ich aber muß kleiner werden.“ (Joh 3,30) In der Zeit der wieder kürzer werdenden Tage braucht es ein anderes Licht, um den Menschen zu leuchten. Dieses Licht weist letztlich auf Christus hin.

In Münster feiert man am 17. September das Lambertusfest mit Gesängen und Kreisspielen um eine mit Laternen geschmückte Pyramide. Eine Deutung für die Entstehung dieses Brauches ist die Tatsache, daß man wegen der tief stehenden Sonne in den frühen Abendstunden der beginnenden Herbsttage ohne Kerzenlicht nicht mehr arbeiten konnte. So beging man festlich das erste Entzünden der Kerzen, die fortan das nötige Licht lieferten.

Es folgen weitere Lichterfeste: Zu Allerheiligen und Allerseelen stellen wir Lichter auf die Gräber der Toten als Zeichen für das EWIGE LICHT, das ihnen leuchten möge. Zu St. Martin ziehen Kinder mit Lichterfackeln durch die Straßen der Städte und Dörfer. Am 2. Dezember feiern wir das Fest der heiligen Lucia. In Schweden wird an diesem Tag eine Luzienbraut gewählt, die, mit einer Lichterkrone bekränzt und von Sternträgern begleitet, Gaben verteilt. In der Frühe der Adventstage feiern die Katholiken Roratemessen, in denen der Kirchenraum allein durch das Licht der Kerzen, die die Gläubigen bei sich tragen, erleuchtet wird.

Alles drängt auf den Tag hin, an dem der Weihnachtsbaum, ursprünglich kein christliches Symbol, im vollen Lichterglanz erstrahlt, und die Menschen sich freuen über die Geburt des Gottessohnes, die unbesiegbare Sonne der Gerechtigkeit, der möchte, daß auch wir ein Licht für die Welt werden.

Bin ich ein Licht für die Welt?