Donnerstag – 5. Tag der Woche – Tag des Jupiter / Thor

Gott Thor

Der Name des  germanischen Donnergottes Thor, auch Donar genannt, liegt dem deutschen Wochentag Donnerstag zugrunde. Jupiter ist der entsprechende Gott bei den Römern, Zeus bei den Griechen. Der Genitiv des lateinischen Namens Iuppiter lautet „Iovis“. Insofern ist dieser Gott auch in den romanischen Sprachen in den Namen des heutigen Wochentages eingegangen, so heißt er zum Beispiel im Spanischen „jueves“, im Italienischen „giovedi“ und im Französischen „jeudi“. Als Metall ist dem Planeten Jupiter das Zinn zugeordnet.

Die Römer nannten ihren höchsten Gott auch „Iuppiter tonans – Donnerer“, darin zeigt sich ein Anklang an den germanischen Gott Thor beziehungsweise Donar. Bei den Römern war der Don­nerstag lange Zeit ein Konkurrent zum Sonntag, den der christliche Kaiser Konstantin erst 321 zum ersten Tag der Woche erklärte.

Am Donnerstag sollte die öffentliche Arbeit ruhen. Wie bei den Römern war auch bei den Germanen der Donnerstag der höchste Festtag, weil Donar/Thor ebenso wie Jupiter der höchste Gott war. Bis ins 17. Jahrhundert war der Donnerstag auch noch mehr oder weniger ein Feiertag, an dem Arbeitsruhe herrschte. Im Mittelalter hielten die Universitäten donnerstags  den „dies academicus“, an dem keine Vorlesungen stattfanden. Viele Jesuitenuniversitäten haben bis in unsere Zeit einen freien Donnerstag.

Christlich erhöht wurde der Donnerstag durch die Erinnerung an die Eucharistie, die Jesus in der Karwoche am sogenannten Gründonnerstag beim Abendmahl eingesetzt hatte. Dieses Zusammensein der Apostel mit Jesus schenkte ihnen zugleich die Priesterweihe. So betet die Kirche noch heute mit der Bitte „der Herr möge Arbeiter in seinen Weinberg senden“ (vgl. Mt 9,37f) am ersten Donnerstag im Monat um geistliche Berufe. In unserer Zeit, da es viel zu wenig Menschen gibt, die in einem geistlichen Beruf den seelisch und leiblich Notleidenden helfen können, ist ein solches Gebet besonders wichtig.

Das Fronleichnamsfest, auch „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ genannt, fällt im­mer auf einen Donnerstag. Da dieses Fest in vielen Ländern kein staatlicher Feiertag ist, begeht die Kirche das Fest dort meistens am darauffolgenden Sonntag. Nach der Feier der Eucharistie wird gleichsam als verlängerte Danksagung nach der Kommunion Jesus Christus in der Gestalt des Brotes in die Welt hinausgetragen. In feierlicher Prozession begleiten die Gläubigen mit Gebeten und Liedern eine kostbare Monstranz, welche die geweihte Hostie birgt. An vier Altären erteilt der Priester den Segen Gottes über Land und Leute sowie über die Lebensräume und Arbeits­stätten der Menschen. Hier und da spenden Kommunionhelfer während der Prozession Kranken, die am Weg wohnen, die Krankenkommunion.

Der bekannteste Donnerstag ist wohl der Gründonnerstag der Karwoche. Die Bezeichnung „Grün“-Donnerstag kommt vermutlich von „greinen – weinen“ und mag somit auf die Büßer verweisen, die an diesem Tag die Lossprechung von ihren Sünden bekamen. Anschließend wurden sie wieder als „virides“, als „lebendig Grünende“ oder Sündenfreie in den Schoß der Kirche aufgenommen. Als der Kommunionempfang noch eng mit dem Bußsakrament, der Beichte, verbunden war, beichte­ten die Gäubigen gewöhnlich am Samstag, um am Sonntag zur Kommunion gehen zu können; zu­sätzlich gab es am ersten Donnerstag im Monat ebenfalls eine Beichtgelegenheit, um am darauffolgenden Herz-Jesu-Freitag die Kommunion empfangen zu können.

Der Gründonnerstag läßt außerdem auf das Frühlingsgrün deuten und den Brauch, an diesem Tag grüne Kräuter zu essen. Ansonsten aß man am Donnerstag Erbsen, weil diese dem Gott Donar geweiht waren, oder Hülsenfrüchte; denn diese waren am Donnerstag, dem Tag der Geister und Zwerge, eine wichtige Geisterspeise.

Für die hl. Hildegard war die Viriditas, die Grünkraft, eine Grundkraft, welche der gesamten Natur, also Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien innewohnen sollte.

Ich wünsche Ihnen und mir diese Viriditas.