6.1.2020

Drei Könige

Erscheinung des Herrn

Neben den Hirten sind es drei Männer, die bei Jesus an der Krippe einen Besuch machen. Wir nennen sie „Drei Könige“. Schlägt man aber im Neuen Testament nach, wo sie nur an einer einzigen Stelle erwähnt werden, so stellt man fest, daß die Bibel sie weder als „Könige“ bezeichnet noch ihre Dreizahl oder gar die Namen nennt (vgl. Mt 2,1-12). Heute tragen sie Namen, die sich in der christlichen bildenden Kunst eingebürgert haben: Kaspar, Melchior und Balthasar. Diese Bezeichnungen stammen aus dem achten Jahrhundert. Der „liber pontificalis“ des Abtes Agnellus aus Ravenna (um 845) spricht von Gaspar, Melchior und Balthasar. Im griechischen Text ist nur von „magoi“ die Rede, was etwa „Wahrsager“ oder „Astrologe“ bedeutet; Leute, die durch eine Himmelserscheinung auf die Geburt des Messias aufmerksam geworden sein sollen. Daß aus ihnen in der späteren Überlieferung ,,Könige“ wurden, ist wohl auf frühchristliche Autoren zurückzuführen, die die Matthäus-Stelle mit Psalm 72,10 zusammenschlossen. Man nennt diese Männer auch die „Weisen aus dem Morgenland“. In Frankreich spricht man von „Rois mages –weisen Königen“.

Die Dreizahl verkörpert Jugendalter, Mannesalter und Greisenalter, die drei Altersstufen der Menschen, und die Dreizahl der Geschenke.

Ab dem 11. Jahrhundert findet die Zuordnung der drei Könige zu den damals bekannten drei Kontinenten Europa (weiß), Asien (gelb) und Afrika (schwarz) einen literarischen Niederschlag.

Die Weisen deuteten eine dreifache Konjunk­tion als Hinweis, daß es einen neuen König der Juden geben werde. All das war Grund genug, sich auf den Weg zu machen, auf einen langen, weiten Weg, den sich Erzähler und Krippenschnitzer immer wieder ausgemalt haben.

Aus dem Klappentext des Buches „Der Stern der Weisen – Vom Rhythmus der Grossen Konjunktion Saturn-Jupiter“ von Walter Bühler (1913-1995):
„In dem vorliegenden Buch wird deutlich gemacht, daß die drei Heiligen Könige, die Sternenweise waren, sorgfältig den äußeren Sternengang verfolgten und in der Lage waren, aus ihren inspirierten astrologischen Kenntnissen die Geburt Jesu ‚hellseherisch’ zu berechnen. Ein Schlüssel zu einem neuen Verständnis dieser inspirierten Weisheit bildet die Rhythmologie der Großen Konjunktion von Saturn und Jupiter. Diese verdreifacht sich im Verweben der Schleifen beider Planeten in der Zeit ihres strahlendsten Glanzes, wenn die Sonne ihnen in Opposition im gegenüberliegenden Sternbild entgegen steht. Der Grundrhythmus dieser Planeten, die sich alle 20 Jahre begegnen, bildet in einem 60jährigen Dreierschritt ihrer Konjunktionen und Oppositionen ein Sternenhexagramm. Es ist der Schlüssel zur zeitlichen Gliederung des Lebens Jesu Christi.
Die Überschau der hier konkret untersuchten Konstellationsrhythmen der großen Planeten Saturn und Jupiter enthüllt übergeordnete kosmologische Zusammenhänge, die für die Geistesgeschichte der Menschheit von Bedeutung sind. Hier gelingen dem Autor, seit Jahrzehnten mit Fragen der Kosmologie beschäftigt, neue Einblicke in die Beziehungen von Mensch und Kosmos, die sich auf dem Boden der entworfenen umfassenden Rhythmologie konkret begründen lassen.“

Mich hat eines Jahres erschrocken, als mir bewußt wurde, worin der Unterschied zwischen den Schriftgelehrten und den Weisen besteht. Die Schriftgelehrten sind zwar Wissende vom Kopf her, aber ohne Verbindung zu ihrem Herzen, wohingegen die Weisen zwar nichts Genaues wissen, aber eine wache Sehnsucht im Herzen tragen und sich auf den Weg machen. Sie suchen etwas, ohne genau zu wissen wo.

Wir wollen wenigstens den Ort, die Straße und die Hausnummer wissen, möglichst noch einen Stadtplan dabei haben, besser noch ein Navigationsgerät. Trotz dieses technischen Fortschrittes mache ich mir zu meiner Fahrtroute, vor allem in Bezug auf Autobahnkreuze, nach wie vor Notizen.

Ich wünsche mir, mehr ein Weiser als ein Schriftgelehrter zu sein, beides zusammen wäre ideal. Machen wir uns bewußt, daß wir als Königskinder auf dem Weg sind. Beim Propheten Jesaja heißt es: „Völker wandern zu deinem Licht, Könige zu deinem strahlenden Glanz!“ (Jes 60,3)