In diesem Beichtstuhl im Dom zu Xanten habe ich zum ersten Mal Beichte gehört

1.11.2021

Ein Heiliger ist ein Sünder, der immer wieder neu anfängt

Die Gnade, immer wieder neu anzufangen, haben wir den Engeln voraus, weil wir in Zeit und Raum leben, und dazu gehört Veränderung. Die Frage ist nur, ob wir uns ändern wollen oder lieber in unserer Fehlerhaftigkeit verharren und um Verständnis bitten mit der Feststellung: „Ich bin nun mal so.“

„Du kannst Gott nur bis zu Dir selbst entgegengehen.“ (Bernhard von Clairvaux 1090-1153) Anders ausgedrückt: „Du kannst andere Menschen nur so weit zu Gott hin geleiten, wie Du selber gegangen bist.“ Somit ist Sünde nicht nur moralische Fehlleistung, sondern eine wirkliche Chance für den persönlichen geistigen Entwicklungsprozeß, der nicht an der Sündhaftigkeit stehenbleibt, sondern zur Reife gelangt.

Wer seine eigenen Fehler nicht akzeptieren kann, projiziert sie auf andere und sieht diese in der Hölle.

Sabine Herold
Vom Sandkorn zur Perle
Wie aus Verletzungen Segen erwachsen kann
Verlag Francke, Marburg an der Lahn  2012
ISBN: 9783868273427

Link zum Buch

Eine Perle benötigt für ihre Entwicklung ein kleines Sandkorn im Innern, und das bedeutet: Ohne Schmutz und ohne Sünde gibt es kein Perlmutt im Veredelungsprozeß der Perle, beziehungsweise des geistigen Menschen. Sogenannter „Lebensmist“ läßt sich, entsprechend verarbeitet und verdaut, als Biomüll ansehen, sozusagen als Grundlage für neues Leben. In diesem Sinne ist die Schuld als „glückliche Schuld“ (Augustinus von Hippo 354-439) zu verstehen; es bedarf eines geistigen Blickes auf Schuld.

Siehe auch Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen.