27.10.2021

Entschuldigen Sie!

Wie oft hören wir: „Ich entschuldige mich!“ Kann man sich seiner Schuld entledigen? Eine Entschuldigung kann nicht von mir selbst kommen, sondern der andere muß mich „ent“schuldigen. Daher müßte ich sagen: „Entschuldige Du mich!“ Aber das entspricht eher einer Bitte im Sinn von: „Sage mir, daß ich keine Schuld habe“, was jedoch den Eindruck erweckt, die Schuld liege bei anderen.

Manche Menschen geben ihre Schuld zu. Im Vater Unser beten wir: „Vergib uns unsere Schuld.“ Sie ist da und kann nicht ungeschehen gemacht, aber vergeben werden. Wer hat das nicht nötig? Wir werden schuldig und bleiben schuldig.

Deshalb müßten wir bitten: „Verzeihe mir!“; denn Verzeihung beinhaltet unter anderem Verzicht auf Rache.

Zu den Dingen unseres Lebens, mit denen wir umgehen müssen, da wir sie nicht umgehen können, gehört neben Leid und Tod auch Schuld.

Lotus, Lotusblüte, Blüte, Blume, Pflanze

Die lockere Formulierung „Ich habe Mist gebaut!“, kann zur Folge haben, daß aus dem Mist die Lotosblume wächst. Bei Gott wird Schuld zur „felix culpa (lat.) = glücklich machenden Schuld“, so wie der Fremdkörper in einer Muschel zur Perle wird.

Heute gibt es kaum noch Schudbewußtsein. Wer weiß noch, daß er sich vor Gott rechtfertigen muß? Es geht um Schuld und ihre Vergebung, das heißt um Verzeihung.

Siehe auch Der Buß- und Bettag ist ein evangelisches Fest – Was entspricht dem bei den Katholiken?