Erde als Symbol

Wann und wo setzten wir unseren Fuß auf Erde? Wir möchten mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben, aber wo berühren wir Erde, wirkliche, reine Erde?

Erde ist Symbol des Festen, nicht des Starren wie Beton und Asphalt. In der Bibel trägt der erste Mensch den Namen Adam. Er ist der aus der roten Ackererde Geborene. Diesen Erdling beschenkt Gott mit dem Odem des Lebens (vgl. Gen 2,7). Der Erde, aus der er stammt, vertraut der Mensch sich an, und es ängstigt ihn nichts mehr, als wenn die Erde unter seinen Füßen wankt.

Auf dieser Erde vermag allein der Mensch unter allen Lebewesen ständig in aufrechter Haltung zu stehen und zu gehen. Wie ein Baum kann er durch seine Füße mit der Erde verwurzelt sein und sich mit seinem Haupt und seinen Händen zum Himmel emporstrecken. Dennoch gilt die Weisheit des legendären Philosophen Laotse (vermutlich 6. Jh. v. Chr. G.): „Ein Mensch mit dem Kopf in den Wolken kann die Füße nicht auf dem Boden haben, es sei denn, er ist ein sehr großer Mensch.“

Das Verbundensein mit der Erde kann den Menschen demütig machen. Dieser Zusammenhang zeigt sich deutlich in der lateinischen Sprache: Das Substantiv „humilitas – Demut“ leitet sich ab von „humus – Erde“ und dem dazugehörigen Adjektiv „humilis – niedrig, klein“. Aus dieser Haltung heraus küßte Papst Johannes Paul II. jeweils den Erdboden des Landes, das er nach dem Flug aus Rom betrat.

Haben wir Menschen heute vergessen, daß wir aus der Erde stammen, und den Auftrag Gottes: „Macht euch die Erde untertan!“ (Gen 1,28), falsch verstanden? Die Erde möchte dem Menschen dienen, aber er beutet sie aus und ist dabei, sie unbewohnbar zu machen. Er müßte auf die Erde horchen und ihr gehorchen. Nutzt er sie weiterhin für seine Zwecke gegen ihre natürliche Gesetzmäßigkeit aus, wird sie sich ihm auf die Dauer verweigern.

Wenn der Frühling beginnt, bricht die Erde auf, und es zeigt sich das neue Leben. Wer von uns Stadtmenschen erlebt dieses Wunder noch ganz bewußt? Jedes Jahr vollzieht es sich erneut. Da das Osterfest in den Frühling fällt, unterstützt es unseren Glauben, daß aus scheinbar Totem Leben erwächst, daß einst auch die Gräber unserer Toten aufbrechen, wie es beim Sterben Jesu bei einigen Gräbern geschah (vgl. Mt 27,52f).

Wie verhalte ich mich gegenüber der natürlichen Gesetzmäßigkeit der Erde?