10.5.2022

Opfer

Ergänzung zu Wieviel Opfer braucht der Glaube? – Wieviel Opfer erträgt der Mensch?

Der Begriff „Opfer“ beinhaltet viele Aspekte.

Ist Gott ein Henker-Gott, der seine Opfer braucht? Nein, er gibt sich selbst in Jesus als Opfer hin, um uns zu erlösen. Als Jesus nach drei Tagen auferweckt wurde, zeigte sich der Sinn des Opfers. „Mußte nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ (Lk 24,26) Zu unserem Leben gehören Licht und Schatten. Zur Liebe gehört auch das Leid; denn wir leiden nur an dem, was wir lieben.

Die ersten Menschen haben den Göttern geopfert, um sie gnädig zu stimmen. Bei den Griechen erkannte der tötende Mensch hinter diesem Opferritual die Ängste und Schuldgefühle der steinzeitlichen Jäger. Diese mußten töten, um leben zu können, dennoch empfanden sie dabei ein gewisses Grauen. Nachdem man das Fleisch des geschlachteten Tieres bei einem Festmahl verspeist hatte, verbrannte man das Knochenfett und die Eingeweide als Opfer für die Götter. Dadurch trat der Mensch mit ihnen in Beziehung.

Schlachten ging damals nur in ritueller Form vor sich, ganz anders als die profane Handlung von heute. Früher schlachtete man meistens auf den Bauernhöfen und in den Metzgereien. Heute stehen dafür Schlachthöfe zur Verfügung. Darunter haben die Tiere bereits auf dem Transport, den sie oft nicht überstehen, zu leiden. Die wenigsten Menschen erleben noch das Töten der Tiere, deren Fleisch sie essen.

Die Zeit der Opfer ist vorbei, an ihre Stelle sind heute Ersatzhandlungen getreten wie zum Beispiel Spenden und Stiftungen. Die Gesellschaft von heute braucht keine Menschenopfer, sondern Opfer aus Menschenhand. Man opfert etwas, was man erarbeitet hat und wofür man eine Gegenleistung erwarten kann.

Aus irgendeinem Grund Opfer geworden zu sein, ist heute ein gutes Mittel, um von den Menschen zur Kenntnis genommen zu werden.

Mit dem Klima, wie wir es zur Zeit erleben, kann es nicht so weitergehen. Was sind wir in unserer Erlebnis- und Bedürfnisgesellschaft bereit zu opfern?