30.7.2022

Evolution der Religionen

Ergänzung zu Eine Revolution in der Kirche geschähe, wenn die Mystik einen höheren Stellenwert bekäme

Niemand hat die Religion erfunden. Sie existiert seit Menschengedenken. Als der Homosapiens zu Bewußtsein kam, hat auch er eine höhere göttliche Macht verehrt. Seitdem Menschen auf der Erde leben, haben sie nach oben geschaut, zum Himmel, zu den Sternen.

So entstand die Verehrung von vielen Göttern. Daraus entwickelte sich der Eingottglaube der Juden, der Christen und des Islam.

Das Christentum hat sich in seiner langen Geschichte immer wieder zahlreichen Kulturen, Epochen und Entwicklungen angepaßt. Das Ergebnis ist eine unüberschaubare Zahl christlicher Kirchen und Gemeinschaften.

Wenn schon das Christentum sich in viele Gruppierungen aufgespalten hat, so erst recht alles Religiöse in der ganzen Welt. Das Coronavirus, das den gesamten Erdkreis erfaßt hat, sollte uns helfen zu erkennen, daß alle Religionen im Grunde dasselbe möchten, nämlich etwas Transzendentes, das wir Christen Gott nennen, verehren.

In seinem dramatischen Gedicht „Nathan der Weise“ erzählt Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) die „Ringparabel“.
In dieser Geschichte geht es um eine Familie, in deren Tradition ein besonderer Ring vom Vater an den jeweils liebsten Sohn vererbt wird. Der Träger des Rings – eine demütige Haltung vorausgesetzt – ist beliebt bei Gott und den Menschen. Ein Vater jedoch, der drei Söhne hat und alle gleichermaßen liebt, kann sich nicht entscheiden, an welchen der Söhne er den Ring vererbt. Deshalb beschließt er, von dem Ring Duplikate anzufertigen. Dann verteilt er die identischen Ringe an die Söhne. Nach dem Tod des Vaters kommt es zu einem Streit zwischen den Brüdern, welcher der echte Ring sei. Der angerufene Richter weigert sich ein Urteil zu sprechen. Er sagt vielmehr, jeder solle seinen Ring als den »wahren« ansehen, denn alle spiegeln die Liebe des Vaters wider. So sei es auch mit den Religionen.
Quelle: Nathan der Weise • Zusammenfassung auf Inhaltsangabe.de

Es gilt aber zu bedenken, daß das gesamte Wissen über den Kosmos menschliches Wissen ist. Es ist gesteuert von der Begrenzung unseres Geistes. Wir können Gott nicht begreifen. Wir müssen uns ihm öffnen, um ihn zu erfahren.