Freitag – 6. Tag der Woche – Tag der Venus

Göttin Venus

Als Kind habe ich immer gedacht, der Name Freitag habe etwas mit frei zu tun. Aber auch dieser Wochentag ist einem Planeten zugeordnet, und zwar dem nach der römischen Liebesgöttin benannten Planeten Venus. In den romanischen Sprachen läßt sich dies leicht erkennen. So heißt Freitag auf französisch „vendredi“, auf spanisch „viernes“ und auf italienisch „venerdi“, alle abgeleitet vom lateinischen „dies veneris – Tag der Venus“. Die entsprechende griechische Göttin heißt Aphrodite, und der Name der germanischen Göttin ist Frija. Dieser läßt sich noch im deutschen „Freitag“ erahnen. Als Metall ist dem Planeten das Kupfer zu­geordnet.

In Bezug auf die Liebesgöttin war der Freitag für die Römer zunächst ein Glückstag, aber angesichts des Leidens und Sterbens Jesu wurde er zum Unglückstag. Kein Wochentag ist mit mehr Aberglauben verbunden als der Freitag. Das steigert sich noch ins Unermeßliche, wenn der Freitag auf den 13. eines Monats fällt. Dieser Aberglaube wirkt sich sogar bis in die Computergeneration aus, wo es in manchen Systemen einen „Freitag, den 13.“ nicht gibt, so wie es in manchen Hotels auch kein Zimmer mit der Nummer 13 gibt. Dem Gesetz der Verallgemeinerung entsprechend sah man auch einen Monat, in dem der Neumond auf einen Freitag fiel, als unheilvoll an und ebenso das mit einem Freitag beginnende Jahr. Damit erklärte man sich zum Beispiel die ungünstigen Witterungsverhältnisse des Jahres 1886, die sich 1926 wiederholten, beide begannen mit einem Freitag. Am Freitag geborene Kinder galten als Unglückskinder, und meist mied man den Freitag als Tauftag. Am Freitag gewor­fene Kälber taugten nicht zur Aufzucht, und am Freitag nahm man auch kein Obst ab. Weiterhin soll man am Freitag keinen Bau beginnen, in kein neues Haus einziehen und nicht umziehen, keinen neuen Dienst antreten und keinen alten verlassen. Die Liste solchen Aber­glaubens ließe sich leicht vermehren, obwohl im Brauchtum auch gelegentlich der ursprüngliche Glückstag durchscheint, wie zum Beispiel in Bezug auf das Sterben: Da Jesus, der an einem Freitag gestorben ist, mit dem Feg­feuer nichts zu tun hatte, kam auch der am Freitag Gestorbene, wenn er es verdient hatte, so­gleich in den Himmel.

Seit dem 4. Jahrhundert ist der Freitag der größte Fasttag; er ist für Katholiken bis heute noch Abstinenztag, an dem sie ein Fastenopfer bringen sollen, welches nach wie vor im Verzicht auf Fleisch besteht. Der Handel hat sich auf den vermehrten Verkauf von Fisch und Käse eingestellt. In einer Zeit, da wir uns jeden Tag mehrmals sattessen können, und das erstmals in der deutschen Geschichte ohne Unterbrechung seit drei Generationen, täte uns ein Fasttag gut; es muß nicht der Freitag sein. Das Essen bereitet viel mehr Freude, wenn es nicht alles zu jeder Zeit gibt, wenn man sich nach einer Fastenspeise auf ein Festmahl freuen kann.

Der bedeutendste Freitag für die Christen ist der Karfreitag als Tag des Todes Jesu Christi. Die katholische Kirche feiert am Freitag Votivmessen vom Heiligen Kreuz. Da beim Tod Jesu seine Seite mit dem Speer durchbohrt wurde und aus seinem Herzen Blut und Wasser herausflossen, gedenkt die Kirche am ersten Freitag im Monat des Herzens Jesu und begeht den Herz-Jesu-Freitag. Auf einen Freitag im Juni, am zweiten Freitag nach dem Fronleichnamsfest, fällt das Herz-Jesu-Fest. Im frommen Volksmund ist der Monat Juni der „Herz-Jesu-Monat“, vor allem nach dem Aufblü­hen der Herz-Jesu-Verehrung im 17. Jahrhundert. Kitschige Auswüchse der Herz-Jesu-Verehrung sollten uns nicht abhalten von dem, was wir heute „Aus der Mitte leben“ nennen. Das Herz ist Symbol dieser Mitte. Jesu Herz steht für Jesus selbst, der ganz aus seiner Mitte lebte. Und Jesus selbst ist die für uns sichtbar gewordene Liebe Gottes des Vaters. „Gott hat ein Herz für die Men­schen: Jesus ist dieses Herz!“, singen wir in einem Lied. So bekommt der der Liebe geweihte Freitag einen neuen tiefen Inhalt und ist kein Unglückstag mehr.

Der Freitag ist, vermutlich da der Sonntag von den Christen und der Samstag von den Juden als Feiertag belegt war, so etwas wie ein „Sonntag“ des Islam; denn der Prophet Mohammed wollte sich bewußt von den Juden und den Christen absetzen und unterscheiden. So erlebt man in Jeru­salem, daß von Freitag bis Sonntag immer wieder Geschäfte geschlossen sind, je nachdem, ob der Besitzer Moslem, Jude oder Christ ist.

Möge der heutige Freitag für uns ein Glückstag sein!