Fronleichnam im Jahreskreis C (20.6.2019)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Gen 14,18-20
Zweite Lesung: 1 Kor 11,23-26
Evangelium: Lk 9,11b-17

Fronleichnam ist der Tag der Eucharistie. Dabei denken wir zuerst an die Kommunion in der Gestalt des Brotes; denn sowohl bei der Anbetung als auch bei der Prozession wird Christus in der Gestalt des Brotes verehrt. Verwandelt werden aber in der Messe Brot und Wein; der Wein ist für die Zelebration unentbehrlich, weil zumindest der Priester unter beiden Gestalten kommunizieren muß.

Vermutlich wurde die Brotkommunion aus praktischen Gründen wichtiger als die Kelchkommunion, obwohl erst beide Zeichen die Fülle dessen zum Ausdruck bringen, was Jesus uns in der Kommunion schenken will, nämlich den Bund der Liebe.

Die Wandlungsworte zum Kelch lauten: „Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes ...“ Auf Grund dieser Worte Jesu erlaubte man vor allem bei Trauungen und Professen der Ordenschristen die Kelchkommunion.

Jesus hat Brot und Wein gewählt, Kulturprodukte des Menschen, Wirklichkeiten, die in besonderer Weise den Prozeß der Verwandlung aufzeigen.

Vor allem aber geht es um unsere eigene Verwandlung. Was hat sich nach einem Kommunionempfang in unserem Leben gewandelt?

Machen wir es uns am Wein klar: „Abgestorbenes Blatt“ nennt ein junger Winzer seinen Wein. Wieso? Ohne das tote Blatt gibt es keinen lebendigen Wein.

Das Blatt nimmt das Sonnenlicht durch das Chlorophyll auf und gibt die verwandelte Energie als Fruchtsaft in den Weinstock ab und stirbt. Aus dem von ihm erzeugten, dem Weinstock zugeführten Leben nähren sich die Reben, Trauben und Beeren.

Für die alten Völker war der Wein ein Geschenk der Götter. Israel empfand sich selbst als Weinberg Gottes.

In der frühen Antike wurden die Trauben unter den tanzenden Füßen zerstampft. In dieser Weise gebrochen und getötet wurde das Blut des Rebstocks abgefüllt. In Gefäßen erfährt der Saft seine Grabesruhe und singt die Todes- und Lebenssymphonie seiner Wandlung. Die blubbernde, siedende und gurgelnde Gärung betrachteten die Griechen als Totenklage des von den Titanen in Stücke gerissenen Dionysos. Wenn aus der Einkelterung der klare Wein hervorging, sahen sie darin seine Auferstehung. Nicht erst Friedrich Hölderlin (1770-1843) betrachtete Christus als einen Bruder des Dionysos.

Ein Weinstock verlangt vom Winzer das ganze Jahr über Arbeit. Eine wichtige Tätigkeit ist das Zurückschneiden. Der Höhepunkt liegt in der Verwandlung des herausgepreßten Fruchtsaftes.

Auch Jesus greift das Bild vom Weinstock auf. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ (Joh 15,5) Das Wunder von Kana geschieht jedes Jahr aufs neue: Die Sonne, Bild für Christus, wandelt das Wasser des Bodens in den Wein der Traube.

Wir erleben in der Messe die Wandlung des Weines in das Blut des Herrn. Während der Empfang des Leibes Jesu in der Gestalt des Brotes als Bild der Stärkung für den Weg des Alltags gilt, ist der Empfang des Weines als Blut des Herrn Symbol der Ewigkeit und des ewigen Bundes.

Der Wein hat einen stark eschatologischen Aspekt. Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Ich werde von nun an nicht mehr von dieser Frucht des Weinstocks trinken bis zu jenem Tage, an dem ich davon trinke mit euch im Reich meines Vaters.“ (Mt 26,29)

Die Aufforderung „Geht!“ am Ende eines jeden Gottesdienstes beinhaltet den Wunsch nach Realisierung unseres in der Eucharistie verwandelten „Wandels“.

Es geht nicht nur um die Anbetung, es geht vor allem um das Mahl, das uns stärkt. Anbetung und Prozession sind gleichsam eine verlängerte Danksagung.

Bevor wir zur Ewigen Anbetung Gottes im Himmel gelangen, empfangen wir in der Wegzehrung Kraft für den letzten Weg.

Erinnerungen an Fronleichnamsprozessionen in meiner Heimatstadt Kleve 1935 bis 1939