Gedanken zu Lesefrüchten (10.2.2020)

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Warum ist Gott so schwer zu finden?

Geschichte eines unbekannten Autors:

Vor langer Zeit, als Gott mit dem Erschaffen der Welt fertig war, wollte er für den Menschen einen Teil seiner Göttlichkeit, einen Funken seines Lebens zurücklassen, als Verheißung an den Menschen, um ihm zu zeigen, was er durch Anstrengung erreichen könne.

Er ging auf die Suche nach einem Platz, um den göttlichen Funken zu verbergen, denn – so erklärte er seinen Ratgebern – wenn der Mensch ihn zu leicht fände, würde er ihn nicht wertschätzen. „Dann müssen wir den göttlichen Funken auf den höchsten Bergen der Welt verbergen“, sagte einer der Ratgeber. Gott schüttelte den Kopf: „Nein, der Mensch ist ein abenteuerliches Wesen und wird schon früh genug lernen, auf die höchsten Berggipfel zu steigen.“

Versteck ihn in den Tiefen der Erde.“ ,,Nein", sagte Gott, „denn eines Tages wird der Mensch entdecken, daß er sich zu den Tiefen der Erde durchgraben kann.“

„Dann mitten im Ozean, Meister.“ Gott schüttelte abermals den Kopf: „Ich habe dem Menschen Verstand gegeben, und eines Tages wird er lernen, Schiffe zu bauen und den Ozean zu überqueren.“

„Wo dann, Meister?“, fragten seine Ratgeber. Gott lächelte: „Ich werde ihn an der unzugänglichsten Stelle verbergen, dort, wo der Mensch ihn nicht so schnell suchen wird. Ich werde ihn tief in ihm selbst verbergen.“

Siehe Lesefrucht vom 19. August 2019 – Warum können wir Gott nicht sehen?,
Lesefrucht vom 17. Juni 2019 – Der göttliche Tanz
und
Lesefrucht vom 13. Januar 2020 – Wer Gott greifen will, begreift ihn nicht.