Gedanken zu Lesefrüchten (10.6.2019)

Inhalt und Form

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Da ich es für ausgesprochen wichtig und notwendig halte, Kirche auch unter den Aspekten Inhalt und Form zu betrachten, nehme ich die Thematik zusätzlich zu den Artikeln in den Rubriken „Impulse zum Tag“ und „Gedanken und Worte“ auch noch in die „Lesefrüchte“ auf.

Unter Inhalt verstehe ich den Bezug zur Transzendenz, die wir Christen Gott nennen. Dieser Inhalt ist von einer Form umgeben. Jeder Inhalt schafft sich seine Form, und eine Form füllt sich mit Inhalt. Aber das Gesetz des Lebens führt dazu, daß sich die Form im Laufe der Zeit verhärtet, und das gleitet leicht in Fundamentalismus ab. Besser wäre eine Reformation. Aber deren Verwirklichung fällt unserer Kirche sehr schwer.

Thomas Quartier, Benediktiner der Abtei Sankt Willibrod in Doetinchen/NL:
„Durch die formale Gestalt des klösterlichen Stundengebets entsteht Sinn im eigenen Herzen. Der Prozess ist bei mir noch lange nicht abgeschlossen, vielleicht wird er es nie sein. Aber ich spüre, dass mich die Form zum Inhalt bringt. Komisch, hat man denn nicht erst den Inhalt, und dann wählt man eine passende Form dazu? Nein, bei mir ist es umgekehrt, zumindest was die Psalmenrezitation angeht.“

Siehe auch „Rückblick und Ausblick“.