Gedanken zu Lesefrüchten (12.10.2020)

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Mutter und Sohn

PSYCHOLIGIE HEUTE Mai 2020 steht unter dem Thema „Männer und ihre Mütter.“ In zwei Artikeln wird das Thema behandelt.

Wir Menschen tragen laut Carl Gustav Jung (1875-1961) einen Mutter-Archetypus in uns, eine Information innerhalb der Seele. Es geht um die Begriffe Versagen, Halten und Bewahren, aber auch um Festhalten, Nichtloslassen und Verschlingen. Während wir diese Verhaltensweisen getrennten Müttern zuordnen, vereint die hinduistische Göttin Kali beides in sich. In den großen Erzählungen und Mythen ist die Mutter des Sohnes meist eine Heilige oder eine Hexe, liebevoll und aufopfernd oder begehrend und vereinnahmend. Im Abendland wird vielfach eine Spaltung vollzogen: Die Weiße Madonna auf dem Berg und die schwarze Hexe im Berg.

Psychologen sind der Meinung, der Sohn begehre im Alter von drei bis vier Jahren die Mutter und entwickele einen Haß auf den Vater.

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Hans-Karl, Vater, Mutter                               Hans-Karl, Ursula, Mutter

Mein Vater war sehr traurig, daß er an der Entwicklung seiner Kinder nur aus der Ferne teilnehmen konnte. So schrieb er am 3. November 1940 an meine Mutter:
Du erzählst mir so Deine Unterhaltung mit Hans-Karl, ein richtiger Junge, nun wird er im Frühjahr schon 5 Jahre. Wie die Zeit vergeht. Davon bin ich schon ein Jahr nicht bei Dir, es ist schade, dass ich das Leben des Kindes nicht immer beobachten kann, es ist auch eine so schöne Zeit für die Eltern. Nun, er spricht ja noch manchmal von mir, aber der Vater wird den Kindern ganz fremd von so langem Fortsein. Ursula kennt mich ja noch garnicht und sie ist so lieb und zufrieden.

Als mein Vater 1939 Soldat wurde, habe ich bis zur Geburt meiner Schwester Ursula im April 1940 in seinem Bett neben meiner Mutter geschlafen. Als er dann auf Urlaub kam, soll ich gefragt haben: „Was will der fremde Mann hier im Haus? “ Das hat meinen Vater wohl so sehr verletzt, daß er mir im Kohlenkeller mit einem Kochlöffel den Hintern versohlte. In einem späteren Brief aus Rußland klang es so, als wolle er sich dafür bei mir entschuldigen.

 

 

Vaters Grab in Rußland