Gedanken zu Lesefrüchten (14.2.2021)

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

CiG Cover

,,Gott hat mich schon längst geweiht“
,,Weil Gott es so will“ - unter diesem Titel ist bereits jetzt eines der wichtigsten Bücher des Jahres erschienen. Es enthält 150 Zeugnisse von Frauen, die sich zum priesterlichen Dienst berufen wissen. Die Sammlung zeigt: Das Thema gehört in keine Nische, sondern in die Mitte der kirchlichen Diskussion.

Philippa Rath (Hg.)
„Weil Gott es so will”
Frauen erzählen von ihrer Berufung zur Diakonin und Priesterin
Verlag Herder
299 S., 25,00 €

 

 

 

 

 

Stephan Langer

CiG 1
CiG 2

* * * * *

Die Presse ist voll von Artikeln über Walter Kardinal Brandmüller (* 1929), der dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Georg Bätzing (* 1961) vorhält, die Debatte über die Weihe von Frauen in der katholischen Kirche nicht für abgeschlossen zu halten.

Am 30. Dezember 2020 veröffentlichte kath.net unter der Überschrift „Ohne diesen Eid wären Sie niemals geweiht worden!“ und den einleitenden Zeilen „kath.net-Exklusiv: Kardinal Brandmüller antwortet Bischof Bätzing: „Sollte dies wirklich zutreffen, müsste Ihnen in Erinnerung gerufen werden, dass Sie vor der Bischofsweihe Ihre Treue zu Lehre und Ordnung der Kirche mit einem Eid bekräftigt haben“ den Originalbrief von Walter Kardinal Brandmüller an Bischof Georg Bätzing.

* * * * *

Die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam entstanden in einem Patriarchat. Während die Menschen vorher Götterpaare verehrten, konnte es in den monotheistischen Religionen nur einen Gott geben, und dieser mußte ein Mann sein. Vermutlich waren die Christen nie vollkommen glücklich mit dem einen männlichen Gott. Deswegen spielte die Gottesmutter Maria eine sehr große Rolle, sogar bei Martin Luther.

Heute geht es nicht mehr so sehr um die Frage, ob Gott ein Mann ist, sondern darum, wem er das volle christliche Leben zutraut. Bisher gab es im Vatikan vorwiegend Männer in führenden Positionen. Doch Papst Franziskus ist dabei, dies zu ändern. Inzwischen beruft er auch Frauen in wichtige Ämter.

SPIEGEL Panorama berichtete am 6. Februar 2021: „Vatikan Französin erhält als erste Frau Stimmrecht bei Bischofssynode - Papst Franziskus möchte Frauen stärker in kirchliche Entscheidungen einbinden. Nun kann eine Theologin erstmals in einem Beratungsgremium des Pontifex mitbestimmen.“

Aber wie steht es mit der Weihe von Frauen zu Diakonen und Priestern? Aktuell gibt es darüber Streit unter den Bischöfen.

Unter der Überschrift „DBK-Vorsitzender und ZdK-Präsident sprechen über die Lage beim Synodalen Weg - Bätzing und Sternberg: Bei nächster Versammlung gibt es Entscheidungen“ berichtete Joachim Heinz (KNA) am 6. Februar 2021 auf katholisch.de über Äußerungen von Bischof Georg Bätzing zur Weihe von Frauen zu Diakonen und Priestern.

* * * * *

Interessant ist, daß Hildegard von Bingen (1098-1179), eine begnadete Frau, sich ein Bild von Gott als weiblich-männlichem Wesen machte.

Hildegard von Bingen
Das Buch vom Wirken Gottes: Liber divinorum operum
Verlag Pattloch 1998

In ihrem Werk tritt sie für ein verändertes Gottesbild ein, indem sie den traditionellen Vorstellungen vom männlichen Wesen und der männlichen Gestalt Gottes einen Gott mit auch weiblichen Zügen gegenüberstellt.

Laut ihrer Überzeugung hat Gott die Gabe der Gerechtigkeit als männlichen Zug und die Barmherzigkeit als weiblichen.

Dieses Gottesbild war in der damaligen Zeit revolutionär. Heutzutage stellt man inzwischen auch die in der Bibel verankerten weiblichen Züge Gottes heraus, dennoch ist noch immer zu klären, ob de facto nur Männer zu Diakonen und Priestern geweiht werden dürfen.