Gedanken zu Lesefrüchten (8.7.2019)

Ist Leistung meßbar?

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

In vielen Berufen wird Leistung als Arbeit pro Zeiteinheit verstanden. Da teilt jemand unter Umständen die 100% seiner Möglichkeiten an verschiedenen Stellen auf Portionen von 80% und 20% auf. Auch Bewertungen von Prüfungsarbeiten erregen den Anschein, Leistung sei meßbar.

In zahlreichen Berufssparten ist Leistung nicht quantifizierbar, weil sich kein unmittelbar sichtbarer Fortschritt, Gewinn oder Erfolg mittels zugrundeliegender objektiver Bewertungskriterien zeigt. Das trifft vor allem auf Berufe im sozialen Bereich zu. Menschliche Leistung läßt sich nicht wie die einer Maschine messen.

Was kann zum Beispiel ein Seelsorger an Leistung vorweisen? Diese Frage betrifft auch mich selbst. Was ich als Spiritual unter anderem in Gesprächen leiste, ist nicht sichtbar, geschweige denn in Zahlen meß- oder bewertbar.

In der Nachkriegszeit wiesen Totenzettel von Pfarrern zeitbedingt Verdienste beim Bau von zum Beispiel Kirchen, Kindergärten oder Pflegeheimen auf, etwas zum Vorzeigen also. Doch die rein seelsorglichen Aktivitäten waren auch damals nicht zu „beziffern“.

Persönliche Leistung ist nicht objektiv meßbar. Daher sind auch Einkommensunterschiede nicht zwangsläufig in unterschiedlicher Leistung begründet. Um Leistung zu vergleichen, hat man das Messen erfunden. Aber hier gilt: Die Wurzel des Unglücks ist der Vergleich und das Vergleichen kommt vom Teufel, wie es schon die Urgeschichte der Bibel (Gen 3,5) aufweist, wo sich Adam und Eva, angestiftet vom Satan, mit Gott vergleichen sollten.