Gedanken zu Lesefrüchten (17.2.2020)

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Der hilflose Helfer

„Der Philosophie-Kalender 2019“ behandelte am 8. November 2019 das Thema „Wenn der Paartherapeut geschieden ist ...“ und begann mit der Überschrift „Der kranke Helfer“. Eine Feststellung lautet: „Die Figur des kranken Heilers macht deutlich, dass auch Ärzte, Paartherapeuten und Pschologen verwundbare Menschen sind und von ihnen nichts Übermenschliches erwartet werden darf.“

Wolfgang Schmidbauer hat das Thema bereits 1977 in seinem Buch „Hilflose Helfer – Über die seelische Problematik helfender Berufe“ behandelt und prägte den Begriff „Helfersyndrom“. Er beschreibt eine Situation, in der ein Helfer das wohltätige Wissen, welches er anderen zugute kommen läßt, auf sich selbst nicht anwenden kann.

Ein Arzt oder Therapeut muß nicht alle Krankheiten, die er behandelt, selbst gehabt haben, aber er muß sich in den Klienten hineindenken können.

Prediger sprechen am besten über das, was für sie selbst ein Problem ist. Aber das eigentliche Problem besteht darin, daß der entsprechende Prediger, es sei denn, er ist sehr reflektiert und arbeitet an sich selbst, um dieses Problem nicht weiß. Ein Lob für seine Predigt könnte ihn aufwecken.