Gedanken zu Lesefrüchten (10.12.2018)

Das Gehen ist im Rückgang – der Fortschritt bringt uns zum Stillstand

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Seit meinem Aufenthalt in Rütte in den 1970er Jahren beschäftigt mich der Satz: „Nicht wissend den Weg, geh ich den Weg mit geöffneten Händen, mit vollem Vertrauen!“

Nach der Lektüre des Artikels „Das Gehen ist im Rückgang – der Fortschritt bringt uns zum Stillstand“ in der NZZ vom 14. November 2018 ist mir noch tiefer aufgegangen, was dieser Satz für mein Leben bedeutet. Der Weg ist die Wahrnehmung der Ewigkeit im Moment.

„Wer aus der Bahn geworfen wird, findet seinen Weg.“ Aber man muß den Weg auch gehen und sich nicht mit Trampelpfaden begnügen. We­ge, die in die Zukunft führen, liegen nie als solche vor uns, sie werden es erst dadurch, daß wir sie gehen.

Mein Urgroßvater war mit Pferd und Wagen unterwegs und lief selbst weite Strecken neben dem Gespann. Heute werden seine Urenkelkinder jedes noch so geringe Stück Weg gefahren. Gilt da schon „der Fortschritt bringt uns zum Stillstand“?

Die ersten Christen wurden „Leute des neuen Weges“ genannt (vgl. Apg 9,2 u.ö.). Wohnt in der Kirche noch die Zukunft, oder ist diese schon an ihr vorbeigezogen?

Siehe auch „Wenn du aus der Bahn geworfen wirst, findest du deinen Weg!“