Gedanken zu Lesefrüchten (26.8.2019)

Seit wann gibt es Menschen auf dieser Erde?

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Wir haben inzwischen begriffen, daß der Anfang der Bibel kein historischer Bericht ist. Der Mensch ist auf der Erde erschienen, nachdem es ihn zuvor zehn Millionen Jahre hindurch nicht gegeben hatte. Aber wann, wie und wo geschah dieses Ereignis? Sicherlich nicht so, wie Michelangelo (1475-1564) es entsprechend der Bibel auf seinem Fresko „Die Erschaffung des Adam“ an der Decke der Sixtinischen Kapelle dargestellt hat. Das Auftreten des Menschen vollzog sich vielmehr im Verlauf einer progressiven, vom Tier ausgehenden Evolution.

Obwohl der Ablauf der menschlichen Evolution bis heute noch nicht eindeutig geklärt ist, hört man immer wieder die Behauptung: „Der Mensch stammt vom Affen ab.“

In der F.A.Z. vom 15. März 2004 schrieb Manuela Lenzen unter dem Titel „Selektionsdruck aus dem Wasser“ einen interessanten Artikel über die von Carsten Niemitz (* 1945), Professor für Humanbiologie und Anthropologie in Berlin, in dessen Buch „Das Geheimnis des aufrechten Gangs". Unsere Evolution verlief anders. C. H. Beck Verlag, München 2004 vertretenen Thesen zur Entstehung des Menschen. Der Autor ist unter anderem der Meinung, unsere Vorfahren, die Affen, seien nicht von den Bäumen gestiegen, hätten sich auf den Hinterbeinen aufgerichtet und seien dann kerzengerade durch die Steppe gezogen. Der bessere Blick über die Savanne sei auch kein guter Grund: Wer dort aufrecht gehe, sehe nicht nur besser, sondern werde auch besser gesehen.

Vermutlich hat die Entwicklung des Menschen mehr mit dem Wasser zu tun als mit dem Affen. 70–80 % des Körpergewichts eines Neugeborenen bestehen aus Wasser.

Wie wir noch keine Erklärung für den prozeßhaften Beginn der Menschheit haben, so fehlt uns auch die genaue Kenntnis über den Existenzbeginn eines Neugeborenen. Dieser Prozeß vollzieht sich in der Berührung einer männlichen Samenzelle mit einem weiblichen Ei. In diesen Vorgang greift der Mensch in manchen Fällen ein, indem er diesen Akt der Zeugung auch in der Retorte vornimmt.

Peter Singer (* 1946) und Deane Wells (* 1949) schreiben in ihrem Buch „Making Babies“, eines Tages ziehe man die Kinder von der Zeugung bis zur Geburtsreife in Brutkästen groß.

Mit der Befruchtung der Eiszelle beginnt der Lebensprozeß eines Menschen. Die befruchtete Eizelle ist kein Individuum (das Unteilbare), weil sie sich teilt und aus jeder der beiden Tochterzellen ein Mensch entstehen kann, eineiige Zwillinge sind somit „geklont“. Auch im Vier- und Achtzellstadium kann aus jeder der vier oder acht Zellen noch ein Mensch entstehen. Erst ab der Nidation (Einnistung) sollte man von einem Embryo als einem Individuum sprechen.

Der Fötus ist kein simpler unbewußter Automat, der sich im Uterus entwickelt, sondern er besitzt ein emotionales Eigenleben, aus dem sich die Basis des Ichbewußtseins entwickelt.

Der Mensch steht in der Mitte vom Mikrokosmos der Atome und dem Makrokosmos der Sterne. Die Zahl der Atome, die einen Menschen aufbauen, ist eine Eins mit 28 Nullen, also unvorstellbar groß, aber genauso groß wie die eines durchschnittlichen Sternes. Der Mensch steht also mit seiner Körpergröße genau in der Mitte zwischen dem kleinsten Baustein Atom und dem größten Baustein Stern. Ein idealer Standpunkt, der es ihm gestattet, die winzig kleinen ebenso wie die riesig großen Wunder der Natur zu bestaunen.

Fünfmal in der Geschichte des Planeten Erde hat sich die Zusammensetzung des Lebens schlagartig verändert, weil es ein globales Massensterben gab. Die Geologen finden Spuren davon in den Gesteinsschichten. Die bekannteste dieser Auslöschungen ist das Dinosauriersterben, ausgelöst durch einen Meteoriten-Einschlag am Ende der Kreidezeit vor rund 66 Millionen Jahren. Heute sind wir Menschen der Meteorit, weil wir unsere Erde systematisch zerstören!

Siehe auch Neue Zürcher Zeitung vom 23. Juli 2019 mit dem Artikel „Yuval Noah Harari: «Vor einer vergleichbaren Herausforderung hat die Menschheit noch nie gestanden»“:
In 100 Jahren wird das Leben auf Erden ziemlich anders aussehen: Laut Yuval Noah Harari könnten biotechnologische Innovationen bald eine neue Spezies entstehen lassen oder den alten Homo sapiens einem neuen Totalitarismus unterwerfen. Sind diese düsteren Visionen mehr als Spekulationen?