Gedanken zu Lesefrüchten (27.5.2019)

Das Gute und das Böse

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Für viele Menschen existieren das Gute und das Böse auf einer Stufe nebeneinander oder auch gegeneinander, wenn sich beide dauernd bekämpfen. In diesem Dualismus leben die Menschen von der Hoffnung, daß die Guten die Bösen besiegen.

Wer daran glaubt, daß es nach dem irdischen Leben noch etwas Weiterführendes gibt, sieht dort die Guten im Himmel und die Bösen in der Hölle.

Früher sprach die katholische Kirche noch vom Fegefeuer (Purgatorium) für die nicht unmittelbar als heilig in den Himmel aufgenommenen Seelen und dem Vorhimmel (Limbus puerorum) für die ungetauft verstorbenen Kinder.

Interessant ist, daß auch viele Menschen, die an einen Schöpfergott glauben, der eine gute Welt geschaffen hat, diesem Dualismus anhängen. Wenn alles von Gott Geschaffene gut ist, woher kommt dann das Böse? Eine schier unlösbare Frage.

Der freie Wille macht es dem Menschen möglich, Böses zu tun. Er tut es aber unter dem Aspekt des Guten für sich. Der Dieb begeht zum Beispiel einen entsprechenden Diebstahl, um über den Winter im Gefängnis gut untergebracht zu sein.

Von einem Fegefeuer ist in der Bibel nicht die Rede. Ich persönlich stelle mir durchaus vor, daß im Sterben die Reue über mein Versagen wie Feuer brennt, was ich aber aushalten muß, um geläutert Gottes Liebe zu erfahren.

Die Buddhisten büßen ihr Karma in der Reinkarnation ab, um ins Nirwana einzugehen.

Wenn am Ende der Tage Gott wieder ALLES-IN-ALLEM (1Kor 15,28) ist, gibt es keinen Platz mehr für das Böse und die Hölle.

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Deutung von Hans-Karl Seeger:
Du würdest Deine wichtigste Beschäftigung, die Ungläubigen zu bekämpfen, zwar verlieren, hättest dann aber mehr Zeit für Deinen eigenen Unglauben und könntest schauen, wie Du selber zum Glauben kommst ...