Gedanken zu Lesefrüchten (4.2.2019)

„Ihr sollt niemand auf Erden eueren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.“ (Mt 23,9)

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Die Kirche verlangt von ihren Gläubigen, sich streng an die Botschaft der Bibel zu halten, tut es selbst aber nicht. Der Verstoß gegen obiges Zitat ist ein Beispiel dafür.

Die Titelsucht ist in der Kirche nicht geringer als sonst in der Welt. Es beginnt bereits beim Papst, der sich als „Heiliger Vater“ anreden läßt. Mit Recht fordern in unseren Tagen einige Theologen, Papst Franziskus möge darauf verzichten.

Immer wieder werden Titel erweitert. Aus einem Pfarrer wird ein Oberpfarrer, es gibt den Landpfarrer und den Stadtpfarrer. Neu ist der Titel des Pastoralreferenten, vermutlich gibt es bald auch noch den Oberpastoralreferenten.

All das hängt unter anderem mit der hierarchischen Struktur der Kirche zusammen, die dazu noch ausschließlich von Männern geleitet wird. Papst Franziskus bemüht sich um eine synodale Struktur, die im Vatikan nur schwer durchzusetzen ist. Mann und Frau müßten sich gerade in der Institution Kirche auf gleicher Ebene begegnen und dadurch die Fähigkeit erlangen, gemeinsam zum Gesamtwohl der Kirche beizutragen. Das wäre eine große Bereicherung.