Gedanken zu Lesefrüchten (5.8.2919)

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Emil Nolde (* 1.8.1867, † 13.4.1956), führender Maler des Expressionismus, ist bekannt für seine ausdrucksstarke Farbwahl. Er war, obwohl als sogenannter „entarteter Künstler“ verfemt, Rassist, Antisemit und überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus.

„In jedem von uns steckt ein klei­ner Hitler und ein kleiner Gandhi“, formulierte die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross (1926-2004) oder anders ausgedrückt: „ein Dr. Jekyll und ein Mr. Hyde“. Nun hat man auch in Emil Nolde den Hitler entdeckt. Darüber berichtete CHRIST IN DER GEGENWART am 12. Mai 2019 unter der Überschrift „Der dunkle Nolde – auch in uns“.

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Foto Nolde
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Ich weiß aus eigener Erfahrung und auch von anderen Menschen, daß wir alle mit Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) sagen können: „Ich sehe keinen Fehler begehen, den ich nicht auch be­gangen hätte.“

Wer weiß schon von sich selbst, wozu er alles fähig ist? Eine Radikalisierung ist zu beiden Seiten hin möglich. Es gibt nichts, von dem wir mit Sicherheit sagen können: „Das wäre mir nicht passiert! Das hätte ich niemals getan!" Manchmal verrät uns ein Traum, was alles in uns schlum­mert.

In vielem bin ich zwar noch nicht geprüft, aber bereits vor vielem bewahrt worden, und dafür bin ich dankbar!

Die Tagespost vom 23. April 2019 brachte einen Artikel unter der Überschrift „Raus mit Nolde?“ und den Untertiteln „Pro“ und „Contra“.
Pro: Raus mit dem Nolde? Ins Bild setzen, worauf es ankommt. Von Barbara Stühlmeyer
Contra: Raus mit dem Nolde? Das wahre Bild zeigen. Von Stefan Meetschen