Gedanken zu Lesefrüchten (6.5.2019)

Wenn ich etwas Neues sehe, bringe ich es manchmal mit etwas mir Bekanntem in Verbindung. So ist es auch beim Lesen. Das Gelesene kann etwas zum Ausdruck bringen, was ich schon immer gedacht habe, nur so noch nicht formulieren konnte. Gleichzeitig entsteht ein Nachdenken, das mich zu weiteren Erkenntnissen führt.

Geburt der Kirche

Im Deutschen Orden wird eine Heilige verehrt, Dorothea von Montau (1347-1394), eine Klausnerin, die in Ostpreußen lebte. Nach ihrer Vision ist eine neue Kunst entstanden, die sogenannte „Schreinmadonna“. Sie stellt die dreifache Geburt Jesu dar.

Die Anregungen zur folgenden Interpretation stammen von dem Ingenieurwissenschaftler und Hochschullehrer Michael Weyrich (* 1967).

 

1. Die Geburt Jesu durch den Vater, ohne eine Mutter (Gnadenstuhl im Innern)

Bei den älteren Darstellungen der Schreinmadonna ist der Gnadenstuhl immer ohne den sonst üblichen Heiligen Geist in Gestalt einer Taube zu sehen. Die Begründung dafür lautet, die Madonna sei die schönste Darstellung des Heiligen Geistes.

 

 

 

 

2. Die Geburt Jesu durch eine Mutter ohne Vater (im geschlossenen Zustand, mit dem auf Marias Knien stehenden Jesuskind)

Wir werden zur Mutter Jesu, wenn wir die bleibende Gegenwart Jesu in dieser Welt in uns aufnehmen.

 

 

 

 

3. Die Geburt Jesu durch die Kirche (unter den ausgebreiteten Armen die verschiedenen Stände der Kirche)
Diese Darstellung ist ein Programm: Die Inkarnation Gottes ist in Jesus schon und doch noch nicht abgeschlossen.

Ich freue mich, daß auch wir noch in der Geburtsphase der Kirche sind, die sich jedoch immer wieder erneuern sollte; denn sie vollendet sich erst bei der Wiederkunft des Herrn und bleibt bis dahin eine „semper reformanda“. Diese Notwendigkeit zeigt sich vor allem in den Krisen, die sie zur Zeit durchmacht.

Ich mag die Kirche leiden, leide aber auch an ihr, siehe „Rückblick und Ausblick“.