26.10.2021

Glücklich ohne Wunsch - wunschlos glücklich

Aus den Märchen kennen wir die Wendung „In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, …“. Das verleitet uns, rückwärts in die Kindheit zu schauen. Da half das Wünschen noch, jedenfalls zu Weihnachten. Aber erfüllte Wünsche machen auf Dauer nicht glücklich. Da gilt der Satz von George Bernard Shaw (1856-1950): „Im Leben gibt es zwei Tragödien. Die eine ist die Nichterfüllung eines Herzenswunsches. Die andere ist seine Erfüllung.“

Der Wunsch mag erfüllt werden, aber was er eigentlich bringen sollte, ist nicht von Dauer. Wilhelm Busch (1832-1966) reimte: „Wonach du sehnlich ausgeschaut, es wurde dir beschieden. Du triumphierst und jubelst laut: Jetzt hab ich endlich Frieden! Ach, Freundchen, rede nicht so wild, bezähme deine Zunge! Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“

Torsten Brügge (* 1968) meint: „Wenn ein Wunsch erfüllt wird, sind wir glücklich nicht über den konkreten Gegenstand oder das Ereignis. Wir sind glücklich, weil unser rastloses Wunschdenken für einen Moment zur Ruhe kommt.“

Aber die Wunschmaschine läuft rasch wieder an. Es ist ein Irrtum zu glauben, es müßten erst ein paar Bedingungen erfüllt sein, bevor wir glücklich und in Frieden leben können. Reklame und Werbung unterstützen diesen Fehlschluß.

Es gibt kein Dauerglück. Es geht immer wieder neu darum, sich selbst anzunehmen, im Frieden und Einklang mit sich selbst zu leben und dankbar zu sein.

Wir Menschen sind im Tiefsten immer auf der Suche und verstehen nur selten die Aussage Jesu: „Das Himmelreich ist in euch.“ (Lk 17,21)

Das Grimmsche Märchen vom „Fischer und siner Frau“ ist ein Paradebeispiel dafür, daß alle erfüllten Wünsche am Ende zum Urzustand zurückführen. Wir sollten die Täuschung der inneren Wunschmaschine durchschauen, die endlos neue

Bedürfnisse produziert und unser Mangelgefühl aufrechterhält. Wie oft denken wir, es sollte eigentlich anders sein, als es ist.

Wir sollten uns lösen von der Einstellung „Mein Wille geschehe“ und gläubig auf Gott schauen und beten: „Dein Wille geschehe“, wie Jesus selbst es getan hat vom Vater Unser bis zum Geschehen am Ölberg in Gethsemani. Das wirkt zunächst wie ein Opfer, in Wahrheit aber ist es die Entspannung ins Glück. Glücklich waren und sind wir nur ohne einen Wunsch.

Wozu soll ich noch etwas wünschen, dessen ich gar nicht bedarf?

Siehe auch Wünsch dir was!