6.11.2020

Entmachtung göttlicher Zeichen

Naturphänomene wie Blitz und Donner galten Jahrtausende als Zeichen und Attribute göttlicher Macht, und die Menschen empfanden sie als Strafe.

Daher versuchten sie schon immer, diese als Fingerzeig Gottes gedeuteten Naturereignisse zu ergründen, um sich vor ihnen zu schützen.

Doch erst seitdem Benjamin Franklin (1706-1790), der Erfinder des Blitzableiters, bewiesen hat, daß der Blitz eine elektrische Entladung ist und mit geerdeten Metallstangen gefahrlos abgeleitet werden kann, hat sich die Angst der Menschen vor dieser Urgewalt verringert.

Zuvor hatte man sich oft abergläubischer Praktiken zur Blitzabwehr bedient, und später bezichtigte man Planer und Erbauer von Blitzableitern nicht selten der Gottlosigkeit. Auch in der Kirche löste der Einsatz von Blitzableitern heftige Diskussionen aus. Die Geistlichen mußten erkennen, daß das übliche Glockenläuten gegen Gewitter nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich war; denn die hohen Türme luden zum „Blitzbesuch“ ein. Dennoch erfolgte das Errichten von Blitzableitern sehr oft gegen den Widerstand der Bevölkerung.