19.9.2022

„Gott ist Vater, noch mehr ist er Mutter“

Das sagte Papst Johannes Paul I. (1912-1978) am 10. September 1978 vom Papstpalast aus.

Mann und Frau sind in ihrer Gesamtheit Abbild Gottes. Aber jeder hat in sich Anteile vom je anderen Geschlecht.

Gott übersteigt alle unsere Vorstellungen. Er ist weder Vater noch Mutter, wir sprechen und beten nur in Bildern.

Dreifaltigkeit mit dem Heiligen Geist als Frau

Das Männliche in Gott wird durch den Heiligen Geist relativiert; denn dieser Geist ist durch weibliche Namen wie Sofia, Ruach und ewige Weisheit (Sapientia) gekennzeichnet. Bei den Hebräern war der Heilige Geist weiblich. Nach der Bibel schuf Gott den Menschen nach seinem Bild als Mann und Frau (vgl. Gen 1,27). Demnach wäre Gott bisexuell, er ist aber eher asexuell, beziehungsweise ein absolut ungeschlechtliches Wesen.

Die Zweigeschlechtlichkeit gehört in die kosmisch-religiöse Kategorie der Polarität der Schöpfung. Dazu gehört zum Beispiel das Gegensatzpaar Yin-Yang der chinesischen Philosophie. Sowohl in Politik und Gesellschaft als auch vor allem in der Kirche wird der kosmisch-religiöse Angelpunkt meistens übersehen und die Beziehung von Mann und Frau nur einseitig betrachtet. Insofern kann das gottgewollte und in sich fruchtbare Spannungsverhältnis zwischen den Geschlechtern nur in einen irrationalen Kampf ausarten.

Das Ziel unseres Zeitalters sollte das Integrat von Weiblich und Männlich sein, wie es bereits der berühmte Kulturphilosoph Jean Gebser (1905-1973) gesehen hat. Gleichheit zwischen Frau und Mann gibt es aber immer noch nicht. Im Patriarchat drängt sich trotz aller Bemühungen immer noch das Männliche in den Vordergrund und das Weibliche muß zurückstehen.

Siehe auch Theologin: Heute kann man guten Gewissens "Vater-Mutter-unser" beten.