21.5.2019

Handgebärden

Eine vielfältige Gebärde unserer Hände ist das Klatschen. Wir klatschen zum Beispiel Beifall, um unsere Freude und unser Gefallen an etwas auszudrücken, um bei einem Konzert eine Zugabe zu erbitten oder um den Rhythmus in der Musik zu verstärken. Weiterhin klatschen wir in die Hände, um jemanden aus seiner geistigen Abwesenheit aufzuwecken oder um auf etwas aufmerksam zu machen. Unliebsame Tiere versuchen wir zu verscheuchen, indem wir in die Hände klatschen.
Der Handschlag gilt als Bekräftigung von Gelübden und Verträgen al­ler Art. Winkende Hände sind Windmühlen der Freude. Erhobene Hände dienen der freundlichen Begrüßung. Wenn ich beide Hände hochhebe, zeige ich, daß ich unbewaffnet bin und mich ergebe.

Menschen berühren sich im Kreis mit den Händen als Zeichen ihrer Gemeinschaft. Hände, die wir auf dem Rücken halten, zeigen unsere unbeteiligte Haltung. Mit den Händen können wir unsere Augen verschließen, unsere Ohren verstopfen beziehungsweise unsere Ohrmuscheln verlängern oder uns den Mund zuhalten (vgl. Ijob 21,5).

Aus Trauer und Verzweiflung schlagen wir die Hände über dem Kopf zusammen (vgl. 2 Sam 13,19). Mit dem Zeigefinger können wir auf etwas zeigen oder die Richtung angeben, mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger auch drohen und mahnen, aber dabei zeigen jeweils drei Finger auf uns selbst; schließlich können wir an unsere Stirn tippen, wenn wir den anderen für dumm halten.

Die Ausdrucksfähigkeit des Daumens steht in genauem Verhältnis zu seiner Beweglichkeit. Psychologen deuten einen in der Faust verbor­gen gehaltenen Daumen als ein Zurückgehen in das Kleinkindalter.
Aber auch beim sogenannten „Daumen drücken“, um jemandem Gelingen und Erfolg für ein Vorhaben zu wünschen, umschließt die Faust den Daumen. Mit dieser Geste bat das Publikum bei den Gladiatorenkämpfen im alten Rom um die Begnadigung des Gladiators. Letztendlich traf der Kaiser entweder mit dem nach unten gerichteten Daumen die Entscheidung für den Tod oder mit dem nach oben zeigenden Daumen für das Leben des Kämpfers.
Der nach oben zeigende Daumen gilt heute als Zeichen für freudige Entschlossenheit sowie für Zustimmung und Unterstützung.

Der Ringfinger hat einen direkten Nerv zum Herzen und gilt als Du-Finger, der Zeigefinger hingegen als Ich-Finger.

Mit der Hand können wir schwören, indem wir sie auf eine Bibel oder auf ein Banner legen, sie erheben oder sie ans Herz legen. Eine geöffnete Hand ist ein Hinweis auf unsere Bedürftigkeit. Sie kann darauf hinweisen, daß wir bereit sind, ein Geschenk zu empfangen oder wie ein Bettler um eine Gabe zu bitten. Aber auch um etwas zu geben, müssen wir unsere Hand öffnen. Diese Geste kann ein Schenken oder auch nur ein Weitergeben sein von etwas, was wir loswerden möchten. Mitteilen ist nicht immer Selbstmitteilung, vielmehr kann sie auch Selbstbewah­rung oder Selbstsucht sein. Im Schenken können wir etwas, aber auch uns selbst geben.

Umarmen ist die auffälligste Form friedlichen Fassens. Entweder umarmen sich die Personen ge­genseitig oder die eine umfängt und die andere läßt sich umfangen. Die Umarmte bekundet eine Gebärde der Hingabe. Im Gegensatz dazu sind gebundene Hände ein Zeichen für Wehrlosgikeit.

Abgeschlagene Hände sind ein Merkmal für Bestrafung.

Der Aberglaube meint: „Wer die Eltern schlägt, dem verdorrt die Hand.“ Eine andere Version lautet, die Hand wachse ihm aus dem Grab.

 

 

Verhüllte Hände gibt es im kirchlichen und staatlichen Zeremoniell sowie im Volksbrauch. Handwaschung hat im Kult eine große Bedeutung. Einer Gottheit darf man sich nur mit reinen Händen nähern. Gebärdenmäßig differenzierte Verhaltensweisen, die als natürlicher Ausdruck menschlichen Reagierens begonnen haben, ritualisieren sich. Nur in der personal vollzogenen und entschiedenen Beteiligung an der Sakraments-Handlung ereignet sich das Wesentliche, das wir Begna­dung nennen. Sonst bliebe alles leere Gestikulation. Solche Handlun­gen sind das Erheben von Kelch und Schale, es sind Anstöße zur Ent­wicklung der Bildkräfte. Solches Erheben verweist auf die Herzenser­hebung der Gottesdienstteilnehmer. Sie vollziehen selbst mit, was sie am Beispiel des Priesters erleben. Die neun Gebetsarten des heiligen Dominikus betonen ebenfalls die Beteiligung der Hände.