30.12.2021

Heilige Familie

Heute ist das einst gängige Bild einer Familie „erster Mann, erste Frau, eigenes Kind“ nicht mehr unbedingt gegeben. Bei Maria und Josef und dem Jesuskind spricht man von der „Heiligen Familie“. Dieser Jesus war aber offensichtlich kein leichtes Kind, wie es das folgende Beispiel zeigt.

Jesus hat lange Jahre in Nazareth gelebt. Als er zwölf Jahre alt war, nahmen die Eltern ihn, wie es in dem Alter üblich ist, mit zum Paschafest nach Jerusalem in den Tempel. Dort setzte er sich, ohne daß es die Eltern bemerkten, zu den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Als seine Eltern ihn nach drei Tagen endlich fanden, sagte er zu ihnen: „Warum habt ihr mich denn gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört?“ (Lk 2,49)

Meines Erachtens ist es wichtig, daß Kinder zu sich selbst finden und ihren eigenen Weg gehen. Die Eltern sollten ihnen Wurzeln und Flügel geben, damit sie erkennen, daß es neben der Blutsverwandtschaft auch noch Wahlverwandtschaften gibt.

Jesus hat dies offensichtlich erkannt; denn beim Evangelisten Matthäus (Mt 12,46ff) heißt es:
Als Jesus noch mit den Leuten redete, standen seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm sprechen. Da sagte jemand zu ihm: „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen.“ Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: „Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?“ Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: „Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“

Unter der Überschrift „Resilienz stärken: 9 No-Go-Sätze, die wir Eltern viel zu oft sagen“ und den einleitenden Zeilen „Wir können unsere Kinder nicht vor allem beschützen, aber ihnen helfen, mit Problemen und Rückfällen selber umzugehen. Resilienz in Kindern ist wichtig – und in der frühen Kindheit legen wir als Eltern die Grundsteine für diese emotionale Stärke. Was wir wie zu ihnen sagen, macht also einen riesigen Unterschied. Hier sind 9 No-Go-Sätze, die die meisten Eltern von sich kennen und 9 tolle Alternativen“ brachte Jennifer Kober einen interessanten Artikel auf familie.de, der vor allem sogenannten „Helikopter-Eltern“ Anregungen geben könnte.

Der Begriff „Wiederholung“ birgt unterschiedliche Aspekte in sich. Gerhard Wilke verbindet diesen Begriff mit einem Bereich, den die Psychologie „Einschärfungen“ und die Kirche „Erbsünde“ nennt. Es geht um die Familientraditionen, die jeder Mensch mit sich schleppt, wenn er nicht an sich arbeitet, um ein SELBST zu werden. Für mich war das zum Beispiel der ständige Hinweis meiner Mutter: „Was sollen die Leute denken?

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Früher war die Sterblichkeitsrate im Wochenbett sehr hoch und auch die Verluste von Familienmitgliedern durch Kriege verlangten oft eine zweite Eheschließung. So starb zum Beispiel meine Großmutter väterlicherseits bei der Geburt ihres vierten Kindes, deshalb brauchte mein Großvater eine neue Frau für seine drei Kinder. Mein Großvater mütterlicherseits starb im Ersten Weltkrieg in Frankreich, daher heiratete meine Großmutter einen neuen Mann. Mein eigener Vater starb im Zweiten Weltkrieg in Rußland, und ich bekam einen Stiefvater.

Auf Grund der steigenden Scheidungsrate und Gründung sogenannter „Patchworkfamilien“ werden die Familienbande immer weiter ausgedehnt. Nicht selten hört man in den neu zusammengesetzten Familien: „Deine Kinder und meine Kinder streiten sich mit unseren Kindern.“ Manche Kinder haben sogar mehrere Großeltern. Bei größeren Festen heißt es dann zum Beispiel: Wir kommen „Mit Kind und Kegel“. Als „Kegel“ bezeichnete man früher uneheliche Kinder in der Familie. Heute bedeutet diese Redewendung lediglich, daß zum Beispiel alle Familienmitglieder zum angesagten Fest erscheinen.

Siehe auch Einfamilienhaus.

„Erster Mann, erste Frau, eigenes Kind“ war wohl nicht immer ein Ideal. Unter der Überschrift „DNA aus Steinzeitgrab enthüllt ältesten Stammbaum der Welt“ berichtete wissenschaft.de am 22. Dezember 2021 von anderen Verhältnissen.

Was kann man heute noch als „normal“ bezeichnen? Wenn Geschiedene wieder heiraten möchten, sollte die Kirche ihnen ermöglichen, gesegnet zu werden.