27.7.2021

Heiliges Fasten – Heilloses Fressen (1)

Einführung

Unter diesem Motto stelle ich in der heute beginnenden Themenreihe meine Erfahrungen mit dem Fasten dar. Sehr früh habe ich erkannt, daß die Fastenverordnungen der Bischöfe nach dem Krieg nichts mit dem zu tun hatten, worum es bei einem richtigen Fasten geht. Es wurde nur all das aufgezeigt, was in der Fastenzeit nicht erlaubt war.

Da Fasten zu sehr mit Hungern in Verbindung gebracht wurde, worunter die Menschen im und nach dem Krieg lange genug leiden mußten, hatten die Bischöfe nach dem Krieg keinen Mut, eine entsprechende Fastenordnung zu gestalten.

Mit dem sogenannten Wirtschaftswunder wurde den Menschen eine „Freßwelle“ beschert. Aber die Menschen wurden trotzdem nicht satt; es blieb ein unstillbarer Hunger.

Als der Lektor des Verlages Butzon & Bercker 1987 ein Geistliches Wort von mir im Rundfunk zum Thema Fasten gehört hatte, sagte er mir, er wolle ein kleines Buch dazu von mir herausgeben; denn es gebe noch kaum religiöse Literatur zum Thema Fasten.

Fasten in Verbindung mit der strengen Form der Exerzitien hilft, den Gesetzen der Natur zu unserem eigenen Wohl immer besser zu gehorchen: Im Horchen auf das LEBEN öffnet sich das Tor zu einem neuen bewußteren Leben. Im Fasten horchen wir in uns hinein und begegnen uns selbst. Diese Erfahrung habe ich persönlich gemacht und daraufhin während meiner langjährigen Tätigkeit als Spiritual im Collegium Borromaeum in Münster auch den Theologiestudenten Fastenexerzitien angeboten. Auch in den Exerzitien, die ich regelmäßig in der österlichen Bußzeit mit Ordensschwestern gehalten habe, wurde unter anderem das Fasten angesprochen.

Als ich 1992 Geistlicher Leiter im Geistlichen Zentrum Haus Aspel wurde, habe ich auch dort Fastenkurse angeboten. Die große Nachfrage nach solchen Kursen zeigte mir, wie Glieder der Kirche, die nicht zur Hierarchie gehörten, etwas lange Vergrabenes wiederentdeckten und lebten.

Gesundheitsberater führten in Volkshochschulen Fastenkurse durch, als die Kirche noch nicht im entferntesten daran dachte, Kurse beziehungsweise Exerzitien oder Besinnungstage mit dieser Thematik anzubieten.

Damals gaben vor allem folgende Bücher Einblicke in die Bedeutung des Fastens:

Otto Buchinger, Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg, Hippokrates-Verlag, Stuttgart 198220

 

 

 

 

 

 

 

Anselm Grün OSB, Fasten – Beten mit Leib und Seele, Münsterschwarzacher Kleinschriften 23, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 1984

 

 

 

 

 

 

 

Dr. med. H. Lützner, Wie neugeboren durch Fasten, Verlag Gräfe & Unzer, München 198517

 

 

 

 

 

 

 

Hans-Karl Seeger, Heilfasten – das Leben neu bedenken, Butzon & Bercker, Kevelaer 1988