10.8.2021

Heiliges Fasten – Heilloses Fressen (11)

Mein Weg in die Pyramide, in das Grab eines Pharaos

Hier liege ich wie ein Weizenkorn im Trockenen seit dreitausend Jahren. Wie geht es mir damit? Verändert sich an mir etwas oder bleibe ich stehen? Was wird aus der Zielorientierung, die in mir angelegt ist, nach tausenden von Jahren durch Kontakt mit Wasser und Luft aufzukeimen?

Das Wort „Getreide“ kommt vom mittelhochdeutschen Ausdruck „getregede“ = „alles, was getragen wird“. Die Erde ist das Tragende. Die Wurzeln des Getreides gehen als Haarwurzeln in sie hinein. Aneinandergereiht erreichen sie eine Länge von bis zu 80 km pro Halm, ein Zeichen für die innige Durchdringung von Erde und Getreide.

Der Halm erreicht eine Höhe von etwa 1,80 m. Das Verhältnis von Durchmesser und Höhe verweist auf eine einmalige Statik. Eine solche auf ein Gebäude zu übertragen, wäre für einen Architekten eine nur schwer zu lösende Aufgabe. Bei einer reifen Ähre trägt der Halm mehr als das Doppelte seines Eigengewichtes.

Die Blätter vereinigen sich mit dem Aufstrebenden. Alles drängt ohne Verzweigung in Richtung Sonne. Die Getreideähren gehören zur Familie der Liliengewächse, aber die Blüten werden nicht ausgebildet. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind und die Luft in nur 15 Minuten. Man sagt: „Die Roggenmuhme geht um.“ Getreide hat mehr Kieselbestandteile als andere Pflanzen, nämlich 67%.

Die Samenreife des Kornes hat 4 Stadien:

  1. die Milchreife: eine flüssige bis gallertartige Masse,
  2. die Gelbreife: es beginnt eine Entwässerung und damit eine Verfestigung, verbunden mit einer beginnenden Vergilbung,
  3. die Vollreife: hartes und trockenes Korn, das so geschnitten wird,
  4. die Totreife: sie beginnt beim Aufstellen der Garben und dauert etwa bis Weihnachten, dann ist das Korn fast völlig wasserfrei. In diesem Zustand kann es jahrtausendelang irgendwo trocken lagern, ohne daß sich irgendetwas verändert.

Beim Getreide gibt es weder eine vieljährige Ausbildung eines Stammes noch eine Entfaltung von Blattwerk oder bunten Blüten. Die ganze Pflanze ist nur eine unscheinbare Hülle für das winzige Gebilde Korn. Sie vertrocknet, und was sie nicht unbedingt braucht, schenkt sie in die Frucht. Das Samenkorn ist die höchste Stufe des Getreides, in ihm verdichtet sich die goldgelbe Sonne. Eine Kultivierung und Veredlung geschieht durch Auslese des Saatgutes.

Was ist eigentlich Unkraut? Beikraut oder Heilkraut?
Wie fühle ich mich auf dem Acker zusammen mit dem „Unkraut“?
Was empfinde ich, wenn ich gar nicht auf den Acker komme?