12.8.2021

Heiliges Fasten – Heilloses Fressen (13)

„Ich bin ein Weizenkorn Christi, die Zähne der wilden Tiere müssen mich zermahlen, damit ich reines Brot werde.“ (Ignatius von Antiochien).

Ich werde mit vielen Körnern zu Mehl gemahlen, aus dem Brot gebacken wird. Beim Mahlen erfolgt eine Vernichtung. Das Korn weiß nicht, was aus ihm wird.

(Die mystische Mühle, Kapitell in Vézelay)

Als die Menschen Jäger und Sammler waren, ernteten sie vermutlich das Korn wie Beeren und aßen es unverarbeitet. Als der Ackerbau und die Viehzucht sowie der Gebrauch des Feuers hinzukamen, bereiteten sie aus dem Korn wahrscheinlich mit Wasser und Milch einen Brei oder rösteten es auf heißen Steinen. Durch die Beherrschung des Feuers entwickelte sich das Backen. Man vermutet, daß im alten Ägypten ein vergessener Klumpen Teig durch Gärung zum Sauerteig wurde. Die Juden übernahmen den Sauerteig dann von den Ägyptern.

Als die Menschen vorwiegend von der Jagd lebten, bestanden ihre kultischen Handlungen vor allem in Tieropfern. In der Zeit des Ackerbaus wurde auch das Brot wichtig für die Kulthandlungen. In fast allen Kulturvölkern verbindet sich der Mensch durch das Brot mit den Göttern. Bei den Juden bleibt das ungesäuerte Brot das sakrale Brot.

Das Gebildebrot hatte ursprünglich sakrale Bedeutung. Der Zopf steht für ein Haaropfer, das Hörnchen für ein Hufeisen, die Schnecke für ein Sonnenrad und der Brezel für zum Gebet verschränkte Arme.

Das Gebildebrot war besonders wertvoll, wenn es aus dem Mehl der letzten Garbe oder aus dem Teig beim letzten Backvorgang vor großen Festen gebacken war. Dabei entstand dann eine besondere Formgebung. So gab es zum Beispiel das „Gottessen“, den Verzehr einer in Brotform dargestellten Gottheit. Im 15./16. Jahrhundert entdeckte man das Hefebrot. Heute wird der Knet- und Triebprozeß rationalisiert durch Backpulver oder Kohlensäure in luftdichten Knetmaschinen.

Brot ist nach wie vor das Lebensmittel Nr.1 vor Fleisch, Kartoffeln und Gemüse. Etwa 84% der Menschen halten es für unentbehrlich. Laut Statistik verbrauchte jeder Bundesbürger 2019/2020 um die 77,6 kg Brotgetreide.

„Unser tägliches Brot gib uns heute.“

Was hilft mir, wenn ich mich vom Leben zermahlen und aufgerieben fühle?
Gelingt es mir, einen Sinn darin zu sehen und über das „Wozu“ nachzudenken?