28.7.2021

Heiliges Fasten – Heilloses Fressen (2)

Essen und Fasten

Jesus, der aß und trank, galt als Fresser und Weinsäufer (vgl. Lk 7,33f); Johannes, der fastete, als ein von einem Dämon Besessener (vgl. Mt 11,18). Jesus antwortet auf diese Vorwürfe mit dem Bild einer Hochzeit: „Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; an jenem Tag werden sie fasten.“ (Mk 2,19f)

Hochzeit ist eine Zeit der Freude. Die Orientalen feiern sie ausgiebig und lange mit vielen Gästen. Eine solche Hochzeit wird für Jesus zu einem Bild für die Heilszeit; dann ist es unmöglich zu fasten; denn Fasten gilt als Zeichen der Trauer und der Buße.

Durch Jesu Tod erfahren die Jünger eine Einschränkung ihrer Freude. Es beginnt eine Zwischenzeit, die dauern wird bis zu seinem endgültigen Kommen in Herrlichkeit. Die Jünger leben nun in einer Spannung von Bußernst und Heilsfreude, in der Essen und Fasten, Freude und Trauer christlich geprägt sind; das gilt auch für uns. Wie ist es möglich, daß ein festliches Mahl zum heillosen Fressen entartet (vgl. 1 Kor 11,20-23) und wir andererseits Fasten als Geschenk und Grund für Freude erfahren (vgl. Mt 6,16-18)?

Der Rhythmus, ein Grundelement des Lebens, das Schwingen zwischen den Polen, in der Musik der Wechsel von betonten und unbetonten Zeiten, macht sowohl die Musik als auch unser Leben spannend und bewahrt uns vor dem Einerlei der Langeweile. So gibt es im zeitlichen Ablauf unseres Lebens den Tag und die Nacht, den Werktag und den Sonntag sowie den Alltag und den Festtag. Diese Polarität, zu der auch Essen und Fasten gehören, müssen wir akzeptieren. Wir wollen wie Gott sein und alles auf einen Punkt bringen, aber wir müssen den anderen Punkt mit einbeziehen, wenn wir „vollkommen“, also „vollständig“ sein wollen (vgl. Mt 5,48).