30.7.2021

Heiliges Fasten – Heilloses Fressen (4)

Fasten

Fasten kommt aus dem Gotischen und bedeutet ursprünglich „festhalten an rituellen Beobachtungen“. Im Gegensatz zu Hungern ist Fasten der freiwillige Verzicht auf Nahrung. Es ist eine der Urgebärden des Lebens. Zum Fasten gehören die Freiwilligkeit, die leiblich-geistige Gesundheit als Ziel und ein religiöses Motiv. Fasten ist das älteste, bewährteste und ehrwürdigste Kind der Heilkunst. Es ergreift Körper und Geist gleichermaßen. Der innere Arzt löst Krankes heraus und schafft es über alle Ausscheidungspforten aus dem Körper. Heilung und Heiligung liegen hier nahe beieinander. Nach dem Fasten durchfluten Pneuma, neue Kräfte und Säfte den ganzen Menschen.

Da Fasten sowohl dem Leib als auch der Seele im wahrsten Sinn des Wortes heilsam ist, stellt es die Krone der psychosomatischen Medizin und aller Arznei dar. Durch das Heilfasten versöhnen wir die Gesetze, durch deren Verletzung wir krank werden.

In Israel geschieht das Fasten nicht als Einzelfasten, sondern als typisches Kollektivfasten. Es ist ein Sühnefasten, bei dem es um die Versöhnung mit Gott geht, dadurch hat es auch eine soziale und sozialhygienische Seite. Nicht das Fasten als solches steht im Mittelpunkt, sondern es geht um ganz spezifische Diätvorschriften.

Da Fasten mit Gebet und Almosengeben verbunden ist, handelt es sich nicht nur um eine rein asketische Übung, sondern dient dazu, sich in Gott zu erneuern und heil zu werden. Jesu Einstellung zum Fasten war ohne asketische Enge und frei von Angst.

Im frühen Christentum kam das sozialethische Motiv der Nächstenliebe hinzu. Bei der Vorbereitung auf die Sakramente fasteten die Freunde des Sakramentenempfängers oft mit, ebenso fastete der Spender des Sakramentes.

Die Unentbehrlichkeit des Fastens im Kultisch-Religiösen und in der Krankenbehandlung ergibt sich aus den ältesten Überlieferungen der Menschheit. Bei den alten Völkern bildete beides ein Ganzes; denn das religiöse und das therapeutische Fasten waren ebenso ein und dasselbe wie der Arzt und der Priester.

Fasten dient der Heiligung; in demütiger Haltung tritt der Mensch an das Übermenschliche heran. Die Heiden wollten durch das Fasten nur die äußere Reinheit wiederherstellen. Nur selten ging es um Ethik oder Soziales. Fasten dient der Einübung in das geistliche Leben. Verbunden mit einem Aufenthalt in der Wüste, versetzt es in Zustände, die dem Tod nahekommen. Das Sterben wird vorweggenommen, nicht als etwas Furchtbares, sondern als ein bewußt vorerlebtes Anderssein, als läuternder Quell des Hinlebens auf Gott. Askese kann nur in der Einfachheit des Lebens, aber nicht in einer totalen Beschränkung bestehen.