3.8.2021

Heiliges Fasten – Heilloses Fressen (6)

„Tue deinem Leib etwas Gutes, damit die Seele Lust bekommt, darin zu wohnen!“

Das sagt uns Teresa von Avila (1515–1582). Andererseits ist der Leib ein Abbild unserer Seele und unseres Geistes. Wir sollten uns insgesamt etwas Gutes tun!

Menschliches Leben ist rhythmisch; dazu gehören unter anderem das Einatmen und das Ausatmen sowie das Essen und das Fasten. Zu oft betonen wir den einen Pendelausschlag und vernachlässigen den andern, wir essen zuviel, zu oft und zu schnell.

Fasten ist nicht zu verwechseln mit Hungern; denn es ist Ausdruck einer Hochachtung vor dem Appetit. In der Übung des Fastens und des gründlichen Kauens lernen wir ganz neu, wie wenig wir eigentlich brauchen, um satt zu werden. Wer sich der Nahrung für einige Zeit enthält, kann sie danach wieder frischer und intensiver erleben. Was für den Sinn des Schmeckens und Riechens gilt, bezieht sich auch auf die anderen Sinne. Daher ist es sinnvoll, mit dem Nahrungsfasten auch das Fasten der anderen Sinne zu verbinden. Unsere Sinne sind unser wichtigster Zugang zur Außenwelt. Wir können auf die Bilderflut verzichten, indem wir uns zurückziehen, auf die Geräuschkulisse, indem wir unter anderem auch selbst schweigen, und ein Berührungsfasten könnte darin bestehen, uns recht berühren zu lernen, ein Aspekt, der durch die Corona-Pandemie besondere Bedeutung erlangt hat. Menschliches Denken und Handeln haben ihren Ausgangspunkt in sinnlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen, deshalb sollten wir unsere Sinne pflegen.

Die zunehmende Abstumpfung unserer Wahrnehmungsorgane ist eine Zeiterscheinung, der wir uns nur sehr schwer entziehen können. Die zahlreichen grellen und lauten Eindrücke, die unkontrolliert und unbemerkt aus der Umgebung auf uns einströmen, bewirken, daß wir weniger Auffälliges kaum noch wahrnehmen. Außerdem sind wir heute über unsere Sinne zunehmend krankmachenden Einflüssen ausgesetzt. Und da wir viele Sinnesfunktionen auch noch mehr und mehr technischen Geräten überlassen, stellt sich die dringende Frage, ob wir unsere Sinne überhaupt noch im ursprünglichen Sinn gebrauchen. Müßten wir uns nicht vielmehr wieder auf deren ursprüngliche Funktion besinnen?

Fasten heißt, sich lösen vom Alltäglichen und sich öffnen für Neues. Fasten verändert und läßt den Menschen heil werden an Leib, Geist und Seele.