4.8.2021

Heiliges Fasten – Heilloses Fressen (7)

Fastenkurs

Manche Menschen entscheiden sich für einen Fastenkurs für Anfänger. Dabei muß es um mehr gehen, als nur darum abzuspecken. Vielmehr gilt es, das Fasten in einen größeren, auch religiösen Zusammenhang zu stellen.

Wie wir an verschiedenen Stellen in der Bibel lesen, zogen sich Menschen bis zu 40 Tagen in die Wüste zurück. Im „Weniger“ an Essen (Fasten), an Worten (Schweigen in der Wüste) und an Begegnung mit Menschen (Einsamkeit in der Wüste) fanden sie in der Begegnung mit sich selbst und mit Gott das „Mehr“. Im Erspüren dieses „Mehr“ gewann ihr Leben eine neue Perspektive, und sie erfuhren ein Gesundwerden an Leib und Seele.

Die Kirche kennt die Tradition von „Fasten – Beten – Almosengeben“. Fasten vertieft das Beten; es geschieht dann nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem ganzen Leib; Fasten ist Beten mit Leib und Seele.

Fasten ermöglicht, Almosen zu geben, indem man zum Beispiel das durch den Verzicht Eingesparte an andere abgibt oder mehr für andere betet.

Schweigen und Fasten. Im Schweigen vereinigen sich Fasten und Stille zu einer Einheit, die beides intensiver wahrnehmen und praktizieren läßt.

Fasten dient außerdem dazu, sich selbst besser zu erkennen. Deswegen ist auch die Stille notwendig. Selbst wenn der Fastenkurs nicht ausdrücklich als Schweigekurs gestaltet ist, sollten dennoch alle möglichst bei sich bleiben und nichts Unnötiges reden.

Man kann sich beim Fasten als begrenzt und abhängig erfahren, und dadurch vor allem als Beschenkter. So dient Fasten dem vertieften Leben mit Gott und einem solidarischen Leben mit den Menschen in der ganzen Welt.

Durch richtiges Fasten verschwindet Krankes, Gesundes aber bleibt und bildet sich nach, weil das störende Kranke fehlt. Degeneration tauscht sich durch Regeneration aus. Die Heilung erfolgt durch Schonung und wird zur Selbstheilung durch das Einsparen von Energie, die ihrerseits zur Heilung beitragen kann. Abgelagertes wird aufgedeckt und entschlackt, was äußerlich zu Körpergeruch führt. Seelische Probleme können eine Läuterung erfahren, was sich unter anderem durch Alpträume äußert. Außerdem nimmt man auch mehr Träume wahr und erinnert sie besser. Psychischer Streß durch Streit und Hader sollte ausgeräumt werden, indem man um Verzeihung bittet und sie gewährt, zunächst in der Vorstellung sowie durch Imagination und später dann in der Realität.

Während des Fastens ist man darauf eingestellt, keine feste Speise zu sich zu nehmen. So läßt man nichts Festes durch den Mund in sich hinein und trägt dadurch zur inneren Reinigung bei.

Man begibt sich selbst nach innen, um das Tor zum Geheimnis zu suchen und zu öffnen.