6.8.2021

Heiliges Fasten – Heilloses Fressen (9)

Unser tägliches Brot gib uns heute

Brot steht für das tägliche Essen. So bemühen sich die Menschen „in Lohn und Brot gebracht zu werden“. Wir beten im Vater-unser: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ (vgl. Mt 6,11 und Lk 11,3). Das griechische Wort für „heute“ heißt bei beiden Evangelisten ἐπιούσιον – epiousion und ist sonst in der griechischen Sprache nicht bekannt. Es kann aber auch bedeuten: „Unser Brot für morgen gib uns heute“.

Viele Menschen denken daran, daß Jesus aramäisch gesprochen hat und gehen von einem Wort aus, das nötig/notwendig bedeutet: „Das Brot, das wir brauchen, gib uns heute“, ähnlich der Aussage: „Nähr mich mit dem Brot, das mir nötig ist“. (Spr 30,8)

Ein deutsches Sprichwort lautet: „Wer früh aufsteht, sein Brot ver­zehrt, wer lange schläft, den Gott ernährt!“ Vermutlich geht es zurück auf den Psalm 127,2: „Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und euch spät erst niedersetzt, um das Brot der Mühsal zu essen; denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf.“

Werner Bergengruen (1892-1964) formuliert: „Al­lent­halben das Entbehrte wird dir mystisch zugelegt. Liebt doch Gott die leeren Hände, und der Mangel wird Gewinn. Im­merdar erweist das Ende sich als strahlender Beginn. Jeder Schmerz ent­läßt dich reicher, preise die geweihte Not. Und aus nie geleertem Speicher nährt dich das geheime Brot.“

Auch dieses „geheime Brot“ benötigen wir. Die notwendige Nahrung in ihrer elementaren, einfachen Gestalt wird zum Symbol für das Zentrum des christlichen Glaubens. Christus ist ebenso wichtig wie das Brot; er verkörpert es in augenfälliger Weise. Wir brauchen sowohl das gewöhnliche Brot als auch Christus als Brot. Nur so können wir leben Meines Erachtens gehört beides zusammen und darf biblisch nicht getrennt werden. Dennoch ist dies immer wieder geschehen und darüber gilt es nachzudenken.

Einer der biblischen Ausgangspunkte für die Ernährung durch Gott und ihre Bedeutung ist die Gabe des Manna, des Himmelsbrotes, auf der Wüstenwanderung. Eine der Ausgangsformulierungen ist der Satz aus Dtn 8,3: „Durch Hunger hat er dich gefügig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist.“

Wir leben nicht nur vom Brot allein. Wir brauchen auch lächelnde Augen, freundliche Worte, schöne Blumen und neue Kleider auf der Haut. Aber vielleicht kennen wir auch Menschen, möglicherweise betrifft es sogar uns selbst, die trotz ausreichender und guter Ernährung hungrig sind oder gar verhungern, weil ihnen jegliche Gemeinschaft, Anerkennung und Formen von Spiritualität fehlen. Beim Propheten Amos heißt es: „Seht, es kommen Tage – Spruch Gottes, des Herrn –, da schicke ich den Hunger ins Land, nicht den Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern nach einem Wort des Herrn.“ (Am 8,11)

Das reale Brot, das Lebensmittel, ist die Grundlage. Es kann nur zum Bild für das „Mehr“ werden, das heißt für das Wort Gottes und für alles, was aus Gottes Mund hervorgeht, weil es das Lebensnotwendige an sich ist.