27.6.2020

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ (Otto Julius Bierbaum 1865-1910)

„Jedes Ding hat drei Seiten: eine po­sitive, eine negative und eine komische.“ (Karl Valentin 1882-1948)

Humor ist eine ernste Sache und die Gabe eines Menschen, den Unzu­läng­lich­keiten der Welt und aussichtslosen Ge­ge­ben­hei­ten mit heiterer Ge­las­sen­heit zu begegnen. Er stärkt die Wider­stands­kraft und ist ein wertvolles Mittel bei Proble­men aller Art.

Er läßt Schmer­zen besser er­tra­gen und hilft, sich selbst nicht so wichtig zu neh­men, vor allem wenn man über sich selbst la­chen kann. Hu­mor­volle Menschen haben die Gabe, mit einem Scherz eine ver­fahrene Situation zu ent­kramp­fen.

Zu unterscheiden ist zwischen einem positiv-wohlwollenden und einem aggressiven, negativ-verletzenden Humor.

Wenn ein Mensch lacht, dann ist das ein zunächst vom Gesicht und gleich da­rauf vom ge­samten Körper besitzer­greifendes körperliches Er­eignis.

La­chen ist wie Niesen und Schluck­auf eine konvulsivische Bewe­gung, die wir ersehnen und vor der wir uns gleich­zeitig fürchten; denn sie führt uns mit­unter zu einer autonomie­ge­fährdenden Erschütterung.

Lachen ist eine unkontrollierbar ablaufende Be­wegung. Wenn wir in Lachen ausbrechen, hat der Verstand keine Trümpfe mehr zum Ausspielen, sind alle Manieren passé und Mimik und Gestik laufen aus dem Ruder.

Lachen ist vielschichtig, es drückt fröhliche Heiterkeit aus, kann aber auch abgrundtiefe Aggression signalisieren. Lachen kann heilen, erhellen, überwinden helfen, es kann Starrge­wor­denes aufbrechen, Angst und Schwäche verdecken und über­­spielen, es kann aber auch kränken, verletzen und beschämen. Es gibt auch die Angst vor dem Lachen, die Angst, sich lä­cherlich zu machen. Lachen gehört genauso zum Menschen wie die Tatsache, daß es ihm manchmal vergeht.

Lachen kann auch gefährlich sein und hat eine subversive Potenz. Wer lacht, glaubt nicht an den Unterschied zwischen richtig und falsch, wahr und unwahr. Unten und oben, rechts und links geraten in Bewegung. Der Lachende verliert die Ba­lan­ce, manch­­­­­mal sogar den aufrechten Gang. Aber wer nicht la­chen kann, ist kein Mensch.

„Lachen tötet die Furcht und ohne Furcht kann es keinen Glau­ben geben. Wer keine Furcht vor dem Teufel hat, der braucht keinen Gott mehr. […] dann können wir auch über Gott lachen.“ (Umberto Eco 1932-2016)

In dem Roman „Der Name der Rose“ geht es um ein geheimgehaltenes Buch der Poetik des Aristoteles. Der blinde Bibliothekar Jorge von Burgos hat es mit einem Gift versehen; denn er hält es wegen der positiven Einstellung zur Freude und zum Lachen für äußerst gefährlich und möchte es lieber vernichten, als es in fremde Hände geraten zu lassen.