19.8.2021

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben (Joh 15,5)

Jesus führt den Satz weiter: „Wer in mir bleibt, und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“

In einem Exerzitienkurs wurden den Teilnehmern die Worte Jesu in Anlehnung an eine Geschichte des Zenmeisters Kosho Uchiyama Roshi (1912-1998) in der Gestalt von Kürbissen noch bildhafter vermittelt.

 

 

Kosho Uchiyama Roshi
Weg zum Selbst : Zen-Wirklichkeit
Otto Wilhelm Barth-Verlag 1973

 

 

Hinter einem Tempel fand sich ein Feld, auf welchem Kürbisse wuchsen. Eines Tages entstand ein Streit unter ihnen. Die Kürbisköpfe teilten sich in zwei Parteien, machten einen Höllenlärm und beschimpft einander heftig. Der gute Mönch, der dem Tempel diente, hörte das wüste Geschrei und rannte herbei, um zu sehen, was los wäre. Er fand die Kürbisse im wilden Streit und brüllte sie an: „Ihr Kürbisschädel, seid ihr verrückt, miteinander so zu streiten? Alle zu Exerzitien!“

Die Kürbisse gehorchten betroffen. Darauf sagte der Meister in aller Ruhe: „Jetzt lege ein jeder die Hand auf seinen Kopf!“ So tat es jeder Kürbis und fühlte ein merkwürdiges Ding da oben.

Sie stellten fest, daß es eine Pflanzenstrippe war, die von einem zum andern lief und sie zusammenhielt. Bedrückt gestanden sie: „Das ist doch merkwürdig. Wir sind alle miteinander verbunden und leben ein einziges Leben, dabei sind wir uns törichter Weise in die Haare gefahren. Was für eine Dummheit! Unser guter Mönch hat Recht!“ Seither lebt die ganze Kürbisgemeinde friedlich und einträchtig miteinander.