Impuls zum 2. Sonntag im Jahreskreis A – seht das Lamm Gottes (19.1.2020)

Erste Lesung: Jer 49,3.5-6
Zweite Lesung: 1 Kor 1,1-3
Evangelium: Joh 1,29-34

Das Evangelium erzählt von der Begegnung zwischen Johannes dem Täufer und dem noch unbekannten Jesus. Johannes äußert gegenüber den Umstehenden indirekt: „Ich bin gekommen, um Jesus zum Vorschein kommen zu lassen.“ Diese Worte sind äußerst beeindruckend, weil Johannes sich selbst zurücksetzt.

Vielleicht können Eltern diesen Satz am ehesten nachvollziehen. Wer Kinder großzieht, steht vor der Aufgabe, sie nicht für die unerfüllten Wünsche an das eigene Leben zu gebrauchen, sondern das Neue und Eigenständige in deren Leben zu entdecken und anzuerkennen.

„Den anderen zum Vorschein kommen lassen“ ist auch ein Satz für Menschen, die als Partner miteinander leben. Es miteinander in Treue auszuhalten, heißt nicht, eine Beziehung einzufrieren nach dem Motto „So wie ich dich jetzt sehe, so mußt du bleiben“.

Treue zueinander schließt das Versprechen ein, „den anderen zum Vorschein kommen zu lassen“.

Johannes der Täufer kann dies, weil er darauf vertraut, daß der Geist Gottes in Jesus ist und wirkt.

Die Begegnung zwischen Johannes dem Täufer und Jesus manifestiert dieses Vertrauen. Der Blick, mit dem der Täufer Jesus anschaut, verrät, daß er in ihm den Geist Gottes wirken sieht. Wir kennen das Bild von der Taube und der göttlichen Stimme aus den Geschichten von der Taufe Jesu.