Impuls zum 22. Sonntag im Jahreskreis C – Einladung zum Festessen (1.9.2019)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Sir 3,17-18.20.28-29
Zweite Lesung: Hebr 18-19.22-24a
Evangelium: Lk 14,1.7-14

Wenn junge Menschen sich mit dem Heiraten beschäftigen, stellen unter anderem die Auswahl der einzuladenden Gäste und die Tischordnung nicht selten ein Problem dar. „Wer wird zum Essen eingeladen?

Wer „nur“ zum Sektempfang? Wer sitzt neben dem Brautpaar? Wer bekommt welchen Tischnachbarn?“. All diese Fragen gilt es zu bedenken.

„Darf ich Großonkel Ernst neben Tante Rosi setzen?“, fragt sich die Braut, bekommt aber Widerspruch von ihrer Mutter: „Aber Kind, er ist doch der älteste Gast und der langjährige Ratgeber Deines Vaters, er gehört deshalb weiter nach vorne in die Nähe des Brautpaares!“

Die junge Frau schließt einen Kompromiß, aber beim Hochzeitsessen ist dann doch die Klage des betagten Großonkels vernehmbar: „So weit hinten, das hat man dann davon!“

Szenen wie diese halten uns vor Augen, wie wichtig es für uns ist, wo uns der Gastgeber hinsetzt, wo unser Platz ist, was wir dem Einladenden bedeuten, wenn wir an einem bestimmten Ort sitzen.

Bei solchen Gelegenheiten zeigt sich die Einschätzung der anderen in bezug auf meinen Stellenwert in ihrem Leben oder auch im Leben der Gesellschaft, und die Tischordnung wird zum Gradmesser dessen, was ich in den Augen der anderen wert bin.

Nicht umsonst kämpfen Protokollbeamte aller Länder um die richtige Tischordnung bei Staatsempfängen und gesellschaftlichen Festivitäten, um niemanden zu beleidigen. Es geht um Stand und Ehre, um Beleidigung und Scham.