Impuls zum 27. Sonntag im Jahreskreis B – Menschen durch Gott verbunden (3.10.2021)

Erste Lesung: Gen 2,18-24
Zweite Lesung: Hebr 2,9-11
Evangelium: Mk 10,2-16

Adam ist Frau und Mann zugleich. Im Tiefschlaf erfolgt die Spaltung in Frau und Mann. Dadurch fühlen sich beide einander zugehörig. Jeder leidet unter der Trennung und hat das Bedürfnis nach Einssein. Keiner kann sein ohne den anderen, weil eben beide am Anfang eins waren und am Ende eins sein werden in Gott.

Eine jüdische Auslegung dieser Bibelstelle verdeutlicht das Anliegen der Ebenbürtigkeit von Frau und Mann noch durch folgenden Hinweis:
„Gott hat nicht etwas aus dem Haupt des Adam genommen, damit die Frau nicht über den Mann herrsche; er nahm aber auch nichts von seinen Füßen, damit sie dem Mann nicht zum Schemel werde. Vielmehr nahm Gott eine seiner Rippen, damit sie seinem Herzen nahe sei.“

Nach talmudischer Tradition war der Urmensch Adam in seiner ursprünglichen Gestalt sowohl männlich als auch weiblich. Erst danach wurde er zerteilt, und die eine abgetrennte Seite wurde seine Frau.

Im nicht in die Heilige Schrift aufgenommenen Thomasevangelium (22) heißt es:
„Jesus sah kleine (Kinder) saugen. Er sprach zu seinen Jüngern: Diese Kleinen, die saugen, gleichen denen, die eingehen ins Reich. Sie sprachen zu ihm: Werden wir, indem wir klein sind, eingehen in das Reich? Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr die zwei (zu) eins macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere macht, und wo ihr macht das Männliche und das Weibliche zu einem einzigen, damit nicht das Männliche männlich und das Weibliche weiblich ist, wenn ihr macht Augen statt eines Auges und eine Hand statt einer Hand und einen Fuß statt eines Fußes und ein Bild statt eines Bildes, dann werdet ihr eingehen in [das Reich].“

„Eines zu sein mit allem, das ist Leben der Gottheit, das ist der Himmel des Menschen. Eines zu sein mit allem, was lebt, in seliger Selbstvergessenheit wiederzukehren ins All der Natur, das ist der Gipfel der Gedanken und Freuden.“
(Friedrich Hölderlin 1770-1843)