Impuls zum 32. Sonntag im Jahreskreis A (8.11.2020)

Zehn Jungfrauen

Schriftstellen:
Erste Lesung: Weish 6,12-16
Zweite Lesung: 1 Thess 4,13-18
Evangelium: Mt 25,1-13

Wir gehen auf das Ende des Kirchenjahres zu. Da ist es verständlich, das heutige Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen als Mahnung aufzufassen. Es richtet auch an uns im Sinn des Evangelisten Matthäus die Aufforderung: „Seid allzeit bereit!“

Ob Jesus das aber auch so gemeint hat? Immerhin schlafen alle ein. Es geht ihm vermutlich nicht nur um Wachsamkeit, sondern auch um das vorhandene Öl. Fehlendes Öl verweist unter anderem auf mangelhafte Vorbereitung.

Das Gleichnis knüpft womöglich an eine wirkliche Hochzeit an. Wie bereitet sich die Frau auf die Hochzeit vor? Es geht um die Verbindung der Pole Öl und Feuer. Der Mann entzündet mit seinem Feuer das Öl der Frau, und es entsteht etwas Neues: Licht.

Der Bräutigam des Gleichnisses benimmt sich nicht wie ein normaler Bräutigam. Jesus meint einen besonderen Bräutigam und eine besondere Hochzeit. Dort wird jeder Mensch, egal ob Mann oder Frau, zur Braut. In der Mystik wird ein an Gott glaubender Mensch „Gläubige Seele“ genannt. Dadurch findet der Mensch zur Ganzheit, und der Kampf zwischen „Weiblich und Männlich“ ist beendet.

Johannes vom Kreuz (1542-1591) hat zum Beispiel die weiblichen Anteile seines Wesens integriert und Teresa von Avila (1515-1582) ihre männlichen Anteile nicht verdrängt, sondern gelebt.

Es geht nicht nur um das „Allzeit bereit sein!“, sondern vor allem um das Bereitsein zur Hochzeit mit dem Gesalbten, mit dem Messias.

Sind wir bereit? Haben wir das Öl in unseren Krügen, das vom Bräutigam entzündet werden will?

Wer den Ruf: „Ich kenne euch nicht!“, hören muß, hat sich selbst ins NICHTS gestürzt.