Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag im Jahreskreis A (7.6.2020)

Geheimnis der Dreifaltigkeit

Schriftstellen:
Erste Lesung: Ex 34,4b.5-6.8-9
Zweite Lesung: 2 Kor 13,11-13
Evangelium: Joh 3,16-18

Während man zu Weihnachten Gott Vaters, zu Ostern Gottes Sohn und zu Pfingsten des Heiligen Geistes gedenkt, feiert man den Zusammenschluß aller Drei am Fest der Dreifaltigkeit.

Es gibt kaum ein Glaubensgeheimnis, um das im Laufe der Kirchengeschichte mehr gestritten wurde als um die heiligste Dreifaltigkeit. Wie die Christen mit dem Tiefsten und Großartigsten ihres Glaubens über Jahrhunderte hinaus umgegangen sind, ist wahrlich kein Ruhmesblatt für die Kirche.

Bis ins 13. Jahrhundert grenzten sich Ost- und Westkirche voneinander ab in der Frage, wie der Heilige Geist richtig zu begreifen sei, ob er vom Vater allein ausgehe oder vom Vater und vom Sohn gemeinsam.

Im Grunde gehen die Spannungen auch heute noch quer durch die Zunft der Theologen.

Ich selber kann mich an Predigten über die Dreifaltigkeit erinnern, die ich in meiner Kindheit gehört habe. Damals wurde dem Kirchenvolk wenigstens einmal im Jahr zu Gehör gebracht, wie schwierig es doch mit diesem Geheimnis sei, verstehen könne es sowieso niemand, und jeder neue Erklärungsversuch lande wieder in einer neuen Häresie. So ahnte schon manches Kind, es müsse sich dabei um eine sehr gefährliche Wahrheit handeln. Als Vergleich hielt man uns folgendes vor Augen: Aus drei Flammen wird eine, aus drei Tropfen einer. Erst im Studium lernte ich, daß Dreifaltigkeit Beziehung bedeutet: Der Vater erkennt den Sohn, der dadurch eine Person wird, und die Beziehung dazwischen ist der Heilige Geist.

Dreifaltigkeit ist keine Frage der Zahlen. Ihre Dynamik läßt sich weder mit etwas ausdrücken, was nur „eins“ ist, noch mit der Zahl „zwei“; denn diese drückt eher eine Spannung oder Polarisierung aus, wohingegen die Drei bei vielen Völkern als besonders ausgezeichnetes Symbol des Allumfassenden und der Vermittlung gilt. Der Gott der Christen ist ein Gott der inneren Dynamik und Gemeinschaft.

Siehe auch Gedanken zu Lesefrüchten (6.5.2019).