Labyrinth als Lebensweg

Labyrinth-Bild in der OASE – Benediktinerabtei Königsmünster, Meschede

Unser irdischer Lebensweg beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Der spirituelle Weg führt zu Gott, zu unserer Kraftquelle. Dabei gilt: „Geh soweit Du kannst, den Rest kommt Dir Gott entgegen!"

Das Labyrinth ist auch ein Bild für einen Kreuzweg.

Die 14 Stationen des Kreuzweges sind auf dem Labyrinthweg verteilt.

  1. Station Jesus wird zum Tode verurteilt
  1. Station Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
  1. Station Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
  1. Station Jesus begegnet seiner Mutter
  1. Station Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
  1. Station Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
  1. Station Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
  1. Station Jesus begegnet den weinenden Frauen
  1. Station Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
  1. Station Jesus wird seiner Kleider beraubt
  1. Station Jesus wird ans Kreuz geschlagen
  1. Station Jesus stirbt am Kreuz
  1. Station Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
  1. Station Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

 

1. Station Jesus wird zum Tode verurteilt
Da steht ER,
mit verbundenen Augen, mit gebundenen Händen.
So viele Lanzen umringen und bewachen den friedfertigsten aller Menschen.
Das Urteil ist gesprochen von einem sauberen Richter,
der sich vor aller Öffentlichkeit die Hände wäscht.
ER schaut mich an.
Verurteile auch ich?

Jesus,
wir Menschen haben dich ausgeliefert,
dich den Sohn der Menschen, den Menschensohn.
Deine Gegner scheinen die Macht zu haben, wenn wir auch alle wissen, daß das Recht nicht auf ihrer Seite ist.
Hoheit umfließt dein Gesicht. Du bist bereit, den Plan zur Rettung der Welt zu erfüllen.
Du willst uns retten.
Erbarme dich meiner. Amen.

2. Station Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
ER ist bereit und hebt die Hände, es ist wie ein Sich-Ergeben, eine Geste der Wehrlosigkeit.
Wo ist das Kreuz? Vor IHM?
Es wirft einen durchleuchteten Schatten hinter IHN.
Wir müssen unseren Schatten tragen. Es gibt keinen Weg zurück.

Jesus,
bis zum Tod mußt du noch ein Stück Lebensweg gehen, beladen mit dem Zeichen des Todes, dem Kreuz.
Deine Ergebenheit in den ewigen Ratschluß ist zugleich verbunden mit unserer Frage nach dem Warum.
Du trägst unsere Sünden.
Erbarme dich meiner. Amen.

3. Station Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
Dann fällt ER und streckt die Hand aus, bittet die Umstehenden um HIlfe, aber sie greift ins Leere; denn keiner der Umstehenden hilft; eine Hand rührt sich verstohlen.
So sind wir Menschen, wir lassen geschehen und sehen zu.

Jesus,
du fällst auf dem Weg, deine Knie halten nicht durch.
Dein Ende kommt dir entgegen, je länger der Weg wird.
Du willst aufstehen, deinem Ende entgegengehen.
Nur ich bin zu feige, dir die Hand zu reichen.
Erbarme dich meiner. Amen.

 

4. Station Jesus begegnet seiner Mutter
ER geht seinen Weg, und Frauen säumen ihn; nicht alle sind ohne Teilnahme.
Eine Frau weint und tröstet Maria. Da ist seine Mutter, sie kann es nicht begreifen; die Spur des Kreuzes kreuzt ihren Weg, und sie leidet mit.
Sie zeigt auf ihren Sohn.

Jesus,
deine Mutter war bereit, dich zu empfangen; nun begegnet sie dir an deinem Weg und begleitet dich in den Tod, ihr Schmerz zeigt, was geschehen ist.
Ich bin gerne Christusträger, wenn alles gut läuft, aber wo bin ich auf dem Weg des Schmerzensmannes?
Erbarme dich meiner. Amen.

5. Station Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
Es wird schwer für IHN; man fürchtet, ER könne den Berg nicht schaffen.
Da muß einer her: Simon von Cyrene.
Der greift zu und wird ein Ergriffener, nicht vom umjubelten Messias, sondern vom erbarmungswürdigen Opfer, und er schaut mit ihm in die gleiche Richtung.

Jesus,
deine Gegner möchten dich nicht vor der Zeit sterben lassen, so gewähren sie dir Hilfe.
Wie hätte ich mich verhalten, wenn sie mich nach des Tages Arbeit ergriffen hätten?
Ich möchte dir das Kreuz tragen helfen!
Erbarme dich meiner. Amen.

 

6. Station Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
Eine Frau zeigt Erbarmen, Veronika, das wahre Bild.
Sie verläßt die enge Gasse und wagt einen Schritt nach außen.
Ihre Hände wollen trösten; sie wird das entstellte Antlitz reinigen.
Dafür wird sie sein Antlitz bei sich tragen.

Jesus,
einen Mann mit Waffen hätte man nicht zu dir gelassen, aber eine Frau, waffenlos, mit einem Tuch in den Händen, wird geduldet.
Laß mich im Licht deines Antlitzes wandeln (Ps 89,16).
Erbarme dich meiner. Amen.

7. Station Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
Und ER fällt wieder. Soldaten helfen ihm auf.
Ob sie es zuvor mit Schlägen versuchten?
Bedrohlich schauen ihre Gummiknüppel aus.
Sie müssen IHN hochziehen, so kraftlos ist ER.

Jesus,
immer näher rückt das Ziel deines Weges, aber du schaffst es kaum, wieder fällst du hin.
Wie oft falle ich, obwohl ich zu stehen glaube.
Mein Hochmut kommt vor meinem Fall, doch du hilfst meiner Schwachheit auf (Röm 8,26).
Erbarme dich meiner. Amen.

8. Station Jesus begegnet den weinenden Frauen
Da weinen Frauen. Ihre Gesichter und Gebärden drücken Verzweiflung aus, nur eine wagt verstohlen, auf IHN zu schauen.
Woher nimmt ER die Kraft, sie zu beachten, und auf sie zu hören?
ER nimmt sich Zeit für sie und predigt Umkehr:
Weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder (Lk 23,28).

Jesus,
die Frauen sehen in dir ihr eigenes Kind, so sind Mütter.
Ich soll über mich weinen, über meine Sünden; schenke mir die Tränen der Reue.
Erbarme dich meiner. Amen.

9. Station Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
ER sieht aus wie ein Fallsüchtiger, sein Körper ist verdreht, sein Gesicht verzerrt und voller Schmerz.
ER vermag nicht mehr nach Hilfe zu greifen, und es greift auch keiner mehr nach IHM.
Aber er überschreitet die Grenze und blickt hinüber.
Statt hilfreicher Hände stehen Füße da, die imstande scheinen, IHN zu zertreten und über IHN hinwegzuschreiten.

Jesus,
wie nahe siehst du deinen Tod, im dritten Fall nimmst du ihn vorweg.
Deine Schwächung streckt dich zu Boden.
Du bist ein Fall, den ich nicht lösen kann, aber du erlöst mich, meinen Fall.
Erbarme dich meiner. Amen.

10. Station Jesus wird seiner Kleider beraubt
Und dann wird ER bloßgestellt. Wie ein geschundener Sträfling steht ER da.
Aber ER trägt seine eigene Würde, ER braucht keine Kleider.
Die Leiter trägt Verheißung in sich, sie leitet vom Dunkeln ins Helle.

Jesus,
wir berauben dich immer neu deiner Kleider, wenn wir Menschen bloßstellen.
Es ist leichter, andere bloßzustellen, als die eigene Schande zu erkennen.
Bekleide mich mit dem Gewand des verlorenen Sohnes (Lk 15,22).
Erbarme dich meiner. Amen.

 

11. Station Jesus wird ans Kreuz geschlagen
Auf dem Kreuz liegend krümmt ER sich vor Schmerzen.
Angebunden wie eine Pflanze an das Holz zieht es IHN zur Erde.
ER schaut auf die Behelmten, aber keiner der Soldaten schaut zu IHM herab.

Jesus,
dein Weg ist zu Ende, du wirst erhöht am Kreuz (Phil 2,9).

Du leidest unsere Gebrechen, du leidest das Los des Sünders, den die Gewohnheit an das Böse fesselt.
Erbarme dich meiner. Amen.

 

12. Station Jesus stirbt am Kreuz
ER stirbt hoch droben, wie abgehoben von den Menschen.
Das Kreuz ist der wahre Thron des Königs, dessen Reich nicht von dieser Erde ist.
Die Füße, die über diese Erde Spuren des Friedens gingen, sind angenagelt
und gebunden an den Kreuzespfahl.
Am Ende bleiben nur Schmerz und Trauer, Maria Magdalena hält sich an das Kreuz,
es wird auch ihr zum Lebensbaum.
Weil sie viel geliebt hat, wird ihr viel vergeben (Lk 7,47).

Jesus,
wie weit bist du entrückt, wie tief bin ich gesunken, uns verbindet das Kreuz.
In äußerster Verlassenheit rufst du nach Gott, wecke mich auf durch deinen Schrei äußerster Qual aus meiner Gleichgültigkeit.
Erbarme dich meiner. Amen.

13. Station Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
Da sind sie wieder zusammen, der Sohn und die Mutter.
Der Schoß, der das Leben gebar, nimmt den Toten wieder auf.
Mutter und Sohn werden wieder eins. Der Schoß der Mutter Erde wird zum Erdengrab.

Jesus,
ohne Schmerzen hat dich deine Mutter empfangen, aber im Tod des Sohnes erleidet der Mutterschoß schmerzliche Wehen.
Es wird offenbar, was dein Kommen in die Welt bedeutet: Erlösung der Sünder!
Erbarme dich meiner. Amen.

14. Station Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt
Nach dem Schoß der Mutter kommt der Schoß der Erde.
Frauen machen es sich zur Aufgabe, am Grab zu wachen und zu trauern.
Menschen brauchen das Grab für ihre Erinnerungen.
Christen brauchen das Grab, damit sie begreifen und bezeugen, was Ostern ist.
Es wird leer sein; ER ist bei den Menschen, aber nicht als Besitz, sondern in Begegnung und lebendiger Gegenwart.

Jesus,
nun darfst du ausruhen, das Werk der Erlösung ist vollbracht.
So ruhte Gott am Sabbat, nachdem die Schöpfung vollendet war.
Aber schon erzittert das Grab von den Klängen der kommenden Auferstehung, wodurch die Schöpfung neu gestaltet wird.
Mache auch mich neu!
Erbarme dich meiner. Amen.